1.10.2019 Eine Kirche zum Spielen

von Ev. Kirchengemeinde Bottrop

Im September 2019 eröffnete die evangelische Kirchengemeinde Bottrop ihre Spielkirche. Deutschlandweit ein Novum. In und um das bespielbare Holzwerk können die Kinder nun kirchliche Handlungen wie Trauung und Taufe nachspielen – Talare inklusive.


Auf der ersten Seite befindet sich ein kleiner Altar in perfekter Kinderhöhe. Auf ihm stehen eine Kerze, Blumen, und auch eine Bibel liegt dort. Dahinter hängt ein Holzkreuz an der hölzernen Innenseite. Dieser kleine Altar ähnelt also ganz seinem großen Vorbild, das nur ein paar Schritte weiter am Ende des Kirchenschiffs steht. Direkt daneben befindet sich ein weiteres Fach, in dem hinter einem abschließbaren Rollo Zylinder, Schleier und ein kleiner Brautstrauß aus Kunstblumen darauf warten, dass mit ihnen Hochzeit gespielt wird. Klackerschuhe inklusive. Oder die Kinder nehmen das Taufbecken auf der nächsten Seite des kleinen Holzhauses in Anspruch und taufen die dazugehörige Puppe. Kleine Talare in verschiedenen Kindergrößen warten auf der vierten Seite des Spielhauses und verkleiden die Spielpfarrer angemessen. Dazwischen Buntstifte, Papier, Bücher und andere Dinge zum Spielen. Soviel Freiheit/Freizeit muss erlaubt sein. Der eigens für die Spielkirche entwickelte Talarschnitt und der Stoff stammen übrigens von der Firma Zierstoff (www.zierstoff.de).

Mobile Kirche
Auch an die Sitzmöglichkeiten für Kinder haben die Pfarrer und Pfarrerinnen der Martinskirche gedacht. Ganz unabhängig von der Spielkirche wurde die erste rustikale Holzbankreihe in der Kirche entfernt und durch neuartige Kindersitzmodule ersetzt. Drei Holzmodule stehen nun in der jeweils ersten Reihe der Martinskirche. Darunter befinden sich leicht herausziehbare Kinderhocker. Dreht man nun auch noch das Sitzmodul selbst auf die Seite, entsteht nicht nur eine weitere Sitzmöglichkeit für die Kinder, sondern auch gleich noch ein Tisch, an dem sie lesen, basteln oder malen können. Vor, während oder nach einem Gottesdienst. Das Spielhaus ist aber nicht nur in der Martinskirche einsetzbar. „Ich habe die Spielkirche so designt, dass sie auf Rollen durch die Türen bis ins Martinszentrum und sogar bis in die benachbarte Kindertagesstätte geschoben werden kann“, erklärt Innenarchitektin Caroline Olk das Design der neuen Spielkirche.

Schwedisches Vorbild
Bereits seit geraumer Zeit beschäftigte sich der Bezirksausschuss/Altstadt mit der Frage, wie Gottesdienste attraktiver werden können. Und schnell war allen Beteiligten klar: Auch für Kinder soll es in der Martinskirche einen eigenen Ort geben. Eine Arbeitsgruppe rund um Pfarrerin Dr. Lisa Krengel verfolgte die Idee weiter. Angeregt von Bildern aus schwedischen Kirchen, in denen es vereinzelt bereits ähnliche Spielkirchen für Kinder gibt, war schnell klar: So etwas wollen wir auch! Lisa Krengel erzählt, wie sie selbst als Kind spielerisch einen Zugang zu kirchlichen Themen wie den Kasualien oder auch Amtshandlungen genannt, gefunden hat: „Ich erinnere mich noch gut an einen Dänemark-Urlaub, in dem ich unzählige Krebse am Strand beerdigt habe, mit Gesang, Ansprache und allem, was dazu gehört.“ Jetzt ermöglicht die Spielkirche den Kindern in Bottrop einen spielerischen, natürlichen Umgang mit kirchlichen Themen und ist trotzdem – oder gerade deshalb – Nachwuchswerbung in nuce.

Bottroper Projekt
Die Finanzierung der etwa 12.500 Euro teuren Erstentwicklung bis zur Fertigstellung stammt zur Hälfte aus Spenden, die wiederum aus den Kitagottesdiensten, Kollektenmitteln der Landeskirche und der Stiftung Stellwerk stammen, die den evangelischen Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten unterstützt. Viel Geld, aber es ist auch ein komplexes Ding, diese Spielkirche, die in ihrer Bauart an eine Mischung aus Spielhaus, Regal und begehbarem Kleiderschrank erinnert. Mit der Bottroper Tischlerei machArt war das Entwicklungsteam schließlich komplett: „Das war natürlich ein ganz besonderes Projekt, bei dem wir nicht nur die Auswahl der Materialen intensiv durchdacht haben. Schließlich soll das Spielhaus so stabil wie leicht sein und zudem auch noch hübsch aussehen“, erzählt Tischlermeister und Inhaber Stefan Nienhues. Das ist der Tischlerei geglückt: dank Birke-Multiplex Oberflächen in Naturoptik und weißen Flächen aus beschichtetem Furnier. Für die Mobilität sorgen vier Schwerlastrollen unter der Kinderkirche. Die Sitzmodule für die erste Kirchenreihe fertigte er passend dazu direkt mit an. Die Polsterarbeiten übernahm der ebenfalls in Bottrop verortete Polsterer Rene Mattigat. Es ist also wirklich eine Bottroper Spielkirche.

Bundesweit interessant
Über die Spielkirche hat nicht nur die lokale Presse mehrfach informiert, auch das Radio und der Fernsehsender Sat1 haben landesweit darüber berichtet. Private wie kirchliche Anfragen (konfessionsübergreifend) kommen derweil aus der gesamten Republik. Die Spielkirche verdichtet ganz offensichtlich ein echtes Interesse, darum ist sie nun über die Innnenarchitektin Caroline Olk für 5.590,00 Euro (brutto) bei Selbstabholung käuflich zu erwerben.
Kontakt: www.olk-innenarchitektur.de

Pressekontakt:
Michael Bokelmann, Tel. 0170/9312434, michael.bokelmann@ev-kirche-bottrop.de

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