Perspektiven des Reformationsgedenkens

von Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten

Sommerempfang im Martin Luther Forum Ruhr

Rund 200 Gäste aus der ganzen Region fanden den Weg zum achten Sommerempfang des Martin Luther Forum Ruhr. Foto: Bugzel

Es wäre aber auch zu schön gewesen. Eigentlich sollte Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Festvortrag halten. Für den neuen Bundespräsidenten sprang Prof. Dr. Herman J. Selderhuis aus dem niederländischen Apeldoorn ein.

Zuvor konnte Dr. Martin Grimm, Vorstandsvorsitzender des Martin Luther Forum Ruhr (MLFR), rund 200 Gäste aus der ganzen Region zum traditionellen Sommerempfang begrüßen. Bei sommerlichen Temperaturen wurden sie schon vor der ehemaligen Markuskirche musikalisch vom Blechbläserensemble "Urban Brass" der Musikhochschule Hannover empfangen.

Viel Lob und Anerkennung gab es bei diesem achten Sommerempfang für die Arbeit des MLFR. Gladbecks stellv. Bürgermeisterin Brigitte Puschadel dankte in ihrem Grußwort für den engagierten Einsatz des Forums für die Stadtgesellschaft. "Ein breiter Brückenkopf" für Diskussion und Dialog im Westen Deutschlands ist das MLFR für Arne Lietz, Europa-Abgeordneter aus der Lutherstadt Wittenberg. Die Themenjahre der Lutherdekade seien im Forum par excellence gelebt worden. Lietz hatte in seinem Geleitwort auf die politische Bedeutung der religiösen Toleranz für die Verteidigung der Religionsfreiheit als Menschenrecht hingewiesen.

Für Alt-Präses Alfred Buß, Vorsitzender des Beirates des MLFR, ist das Forum "ein reformatorisches Beispiel für das Priestertum aller Gläubigen". Buß: "Hier braucht es keine Priester und Pfarrer." Die Arbeit werde ausschließlich mit Ehrenamtlichen geleistet. "Die fundamentalen Erkenntnisse der Reformation werden hier gelebt. Davor kann man nach zehn Jahren mal gewaltig den Hut ziehen."

In seinem Festvortrag "Zwischen deutschem Luther und europäischen Protestantismus - Perspektiven des Reformationsgedenkens" zogt Prof. Selderhuis das Fazit: "Wir feiern 500 Jahre Anfang der Reformation - nicht das Ende." Das Geschehen damals sei wichtig gewesen. Aber die Christen müssten sich gerade nach dem Jubiläumsjahr 2017 den Herausforderungen der Gegenwart stellen und das Erbe der Reformation weiterentwickeln. "Was geschieht mit unserer Welt, mit unserer Umwelt?", fragte Selderhuis.

Selderhuis, Direktor von Refo500 und Mitglied im Kuratorium der Internationalen Martin Luther Stiftung, Erfurt, nannte nach einer sehr differenzierten Sicht auf den Reformator Luther und dessen Zeit drei Vorgaben für die Weiterentwicklung des Erbes der Reformation. Zum einen sei Luther als Theologe stärker in den Blick zu nehmen. Dann sei es wichtig, Luther "im Kreis seiner Kollegen" wie Melanchthon, Calvin, Zwingli und Buchenhagen zu betrachten. Und schließlich gelte es zu beachten, dass es mehrere Reformationen gegeben habe - auch in der katholischen Kirche.

Die Reformation sieht Selderhuis als Herausforderung der Kirche von heute. Luther habe die Kirche als weit entfernt von den Menschen erlebt. Diese Sicht hätten auch heute viele Menschen in Europa, wenn es um Kirche gehe. Europa habe sich von einem Europa der zwei Konfessionen in ein Europa der beiden Religionen Christentum und Islam gewandelt. "Es ist multireligiöser geworden." Dennoch ist es für Selderhuis "viel zu früh" zu sagen, Europa sei postchristlich.

Seine Forderung: Angesichts der Orientierungslosigkeit vieler junger Menschen sollten die Christen die Themen der Gegenwart im Sinne der Reformation und mit Sicht auf Gott aufgreifen und so nach Antworten suchen. Bu/Weco

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