Arbeit - Auskommen - Armut

von Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten

Andacht zum Tag der Arbeit

Andacht zum Tag der Arbeit in der Montagehalle der Firma Borsig. Am Altar Superintendent Dietmar Chudaska und Borsig-Prokurist und Presbyter Friedhelm Pogorzelski. Foto: Bugzel

Wo an normalen Werktagen riesige Wärmeaustauscher zusammengeschweißt werden, versammelten sich an diesem Sonntag die Gläubigen um das hölzerne Kreuz. Zum dritten Mal in Folge hatte die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Gladbeck unter dem Motto "Arbeit - Auskommen - Armut" zu einer Andacht zum Tag der Arbeit in die Fabrikhalle der Firma Borsig eingeladen.

In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte Superintendent Dietmar Chudaska das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg aus Matthäus 20, 1-16. Hier fühlen sich die Arbeiter, die früh am Morgen begonnen haben, ungerecht behandelt. Sie haben länger gearbeitet als ihre Kollegen, erhalten aber den gleichen Lohn.

"Das Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist oft spannungsgeladen. Gerade dann, wenn es um die Frage von Leistung auf der einen Seite und der Vergütung auf der anderen Seite geht", sagte Chudaska. Das habe man bei den letzten Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst bemerkt, ergänzte der leitende Theologe des Kirchenkreises.

Das Gleichnis lasse sich unter zwei Vorzeichen auslegen: Einmal, wie es am Ende der Zeit bei Gott mit dem Lohn sein wird, zum anderen als eine Folie, um unsere gesellschaftliche Wirklichkeit darin zu spiegeln. "Der Weinbergbesitzer, der ja ein Bild für Gott ist, will, dass alle Menschen das erhalten, was sie zum Leben brauchen - ungeachtet, wie lange sie sich abgemüht haben." Chudaska: "Im Himmel wird es keine Lohntüten geben."

Die schlechte Stimmung unter den Weinbergarbeitern sei aufgekommen, weil sie angefangen haben, zu vergleichen und nicht ausgehandelte Erwartungen aufzubauen. "Natürlich muss man vergleichen, wenn gleiche Arbeit von Männern und Frauen unterschiedlich entlohnt wird, dann geht das nicht." Es gelte der Grundsatz: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Bestehende Ungerechtigkeiten müssten beim Namen genannt werden, so der Superintendent.

Zur Realität gehöre auch, dass viele Menschen bitter wenig haben. Aufgeschreckt habe ihn, dass im Ruhrgebiet jedes dritte Kind in durch Armut geprägten Verhältnissen aufwachse. "Die Anzahl der Kinder, die von Armut betroffen sind, ist erschreckend groß." Und die Konsequenzen seien dramatisch. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen aus Armutskreisläufen nicht mehr herauskommen, also über Generationen in Armut leben, wächst", gab Chudaska zu bedenken.

Es gebe einen erschreckenden Zusammenhang von Armut und Gesundheit. "Die Lebenserwartung von armen Menschen verringert sich um zehn Jahre." Die Stärke einer Gesellschaft zeige sich darin, wie sie mit den Schwachen umgeht. "Das Gleichnis Jesu ermahnt dazu, weiter daran zu arbeiten, dass wirklich jeder sein auskömmliches tägliches Brot erhält und sein Leben leben kann."

Im Gleichnis bleibe die Frage, was erhält jeder am Ende des Tages. Gesellschaftlich stelle sich die Frage nach der Altersversorgung. Chudaska: "Tatsache ist: Das Rentenniveau sinkt." Für die nächsten Generationen werde die Alterssicherung immer schwieriger. Die Gefahr von Altersarmut steige. Es bleibe die Aufgabe, dass jeder am Ende seinen Lohn erhalte, von dem er leben kann. "Man muss es aushalten, dass jemand, der vergleichsweise kurz im Weinberg war, am Ende auch sein Auskommen hat", unterstrich der Superintendent. "Aber das entspricht dem Willen Gottes." Bu

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