Frohe Ostern!

von Ev. Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten

Superintendent Steffen Riesenberg (Foto: M. Bokelmann)

Der Schatten huscht durch die finstere Nacht. Der Himmel ist bewölkt und weder Mond noch Sterne werfen Licht in die Straßen der Kleinstadt. Da – noch ein Schatten. Die Schatten gehören zu Menschen, die auf dem Weg sind zu der zugigen und verfallenen alten Kirche im Dorf. Wir sind in einer Kleinstadt in der Sowjetunion, irgendwann in den 80er Jahren. Man durfte eigentlich nicht ohne weiteres zu Kirchen gehen. Die Kirche war verboten, als Organisation – man sollte sich nicht an etwas anderes als dem Kommunismus orientieren. Die Politiker hatten versucht, die Kirche und den Glauben an Gott zu verbieten. Aber jedes Jahr wieder zeigte sich, dass das nicht funktionierte. Denn einmal im Jahr war die Kirche voll. Das war die Nacht auf den Ostersonntag.

Der Gottesdienst beginnt im Dunkeln. Die Osterkerze wird angezündet. Der Pfarrer singt das Osterlob und gemeinsam hören alle die Geschichte von den Frauen, die am Morgen zum Grab kamen und das unfassbare entdeckten: Das Grab ist leer. Langsam geht der Pfarrer nach vorne und beginnt seine Predigt. Plötzlich steht ein Mann auf und räuspert sich. Das Licht fällt auf die Abzeichen an seiner Uniform. In der Dunkelheit hatte das keiner bemerkt – aber er war ein ranghoher Polizist. Er schaut den Pfarrer an, und der verstummt. Da sagt der Polizist: ”Was für ein Unsinn. Du hast ja überhaupt gar keinen Beweis dafür. Du kannst ja überhaupt nicht beweisen, dass Jesus wirklich auferstanden ist!”

Der Pfarrer schaut erst zu Boden. Dann hebt er den Kopf und lächelt. Er schaut die Gemeinde an, sieht die alten und jungen Gesichter im Schein der Osterkerze. Und dann sagt er: „Der Herr ist auferstanden!“ Die Zehntelsekunde, die jetzt folgt, wird niemand von denen, die damals dabei waren, jemals vergessen. Absolute Stille. Dann antwortet die Gemeinde, laut und deutlich: „Er ist wahrhaftig auferstanden!” „Da siehst du’s!“ sagt der Pfarrer zum Polizisten.

Nein, Beweise haben wir wahrhaftig nicht. Dass Christus auferstanden ist, dass das Grab leer war, das erfassen wir nicht mit dem Kopf und dem Verstand – das erfassen wir mit dem Herzen. Die Augen der Vernunft können das nicht sehen – wohl aber die Augen des Glaubens! Offene Augen für kleine und große Auferstehungen wünsche ich Ihnen in diesem Jahr und sage, auch im Namen der Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis: Frohe und gesegnete Ostern!

Ihr Superintendent Steffen Riesenberg

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