Göttlich schnelle Räder

von Ev. Kirchengemeinde Dorsten

Entspannt in schwarzen Vereins-T-Shirts und Lederwesten: Gisela Löns inmitten der Star Riders. Auch der verstorbene Hans Löns war Club-„Member“.

Kreuzkirche - Die Wulfener „Star Riders“ verbinden ihre Pfingstausfahrt durch das Münsterland mit einer Andacht. Rund 120 Biker beweisen, dass ein Motorradclub friedlich und sympathisch sein kann.

Sie genießen nicht unbedingt den Ruf von zart beseelten Messdienern, die harten Jungs aus der Biker-Szene. Einen Gegenentwurf zu Banditen und Höllenengeln stellen die Wulfener „Star Riders“ dar, die vor rund fünf Jahren auf dem ehemaligen Rickert-Hof im Wulfener Köhl heimisch wurden und seither ein bunter Farbtupfer in der Dorstener Vereinslandschaft sind.

Kein Wunder, dass die harten Jungs sich auch um Gottes Segen bemühen. „In Gottes Namen: volles Rohr“, sagte denn auch im Scherz ein kerniges Windgesicht, als der Geistliche zu diesem Biker-Treffen mit Andacht am Pfingstsonntag auf das Clubgelände rollt.

Auch bei Bikers soll Platz für ein Gebet sein, aber dieser spirituelle Freiraum gestaltet sich ein wenig anders, als Otto Normalfahrer es von seinen Kirchbesuchen her kennt. „Cool, dass der Michael wieder da ist “, lautet die herzlich gemeinte Begrüßung des Pastors durch „Presi“ Frank Briesa. „Mr. President“ ist im richtigen Leben Computerspezialist und für die Star Riders der Mann, der das Clubleben bestimmt.

„Die Sache mit dem Pastor ist auch auf Presis Idee hin auf den Weg gebracht worden. Ich finde das cool“, sagt Gabi. Die 35-jährige Mutter trägt eine gefleckte Tarnhose und eine schwarze Lederweste. Das „M“ auf dieser Weste zeichnet sie als „Member“, also Mitglied aus. „Wir sind wohl der einzige Club in der Szene, bei dem Frauen Vollmitglieder werden können und auch sind“, sagt „Presi“ Briesa. Gemeinsam betet diese wahrlich bunte Mischung Verse, die Pfarrer Michael Laage verfasst hat, oder hört zumindest andächtig zu. „Danke, für meine schnellen Räder und dass Du mich trägst“, singt diese Gemeinde in Leder und der so genannten Kutte. Biker-Lyrik mit klerikalem Anstrich? Ein wenig ja, aber die Sache kommt ehrlich rüber, ist nicht verstellt oder gar aufgesetzt. „Ich habe über die schöne Sitte des Grüßens beim Motorradfahren gesprochen. Da steckt viel Symbolik hinter“, so Laage, der selbst mit seiner Frau Sylvia auf dem Motorrad angereist ist.

Als sich die etwa 120 Kräder dann auf die gemeinsame Ausfahrt durch die Herrlichkeit machen, hat zuvor eine Kollekte etwas Geld für einen guten Zweck eingesammelt. Es brummt, donnert und bellt, als die Maschinen auf Kurs gehen. Der President erinnert an die verstorbenen Mitglieder des Clubs. Der 2012 verstorbene ehemalige Ratsherr Hans Löns war zu Lebzeiten ein Star Rider. Sein Foto hängt in der „Hall of Fame“. „Die Biker haben tatsächlich eine raue Schale, aber einen sehr weichen Kern. Rocker geht auch ohne Bandenkriminalität“, sagt Pfarrer Michael Laage, der die Mehrheit der Biker am kommenden Wochenende in der Hervest-Dorstener Kreuzkirche wiedertreffen wird: dann ist nämlich Biker- Gottesdienst angesagt.

Quelle: WAZ Dorsten

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