Im Fährhaus Rat und Hilfe finden

von Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten

30 Jahre Selbsthilfegruppe in Bottrop-Fuhlenbrock

Unser Bild zeigt das Team vom Fährhaus (v.l.): Daniela Korn, Dorothea Meier, Manfred Biskup, Reinhold Bürger, Frank Lebendig, Thomas Liebner und Roswitha Lieber. Foto: Bokelmann

In Deutschland sind etwa 1,3 Millionen Menschen alkoholabhängig, doch nur zehn Prozent unterziehen sich einer Therapie. Dabei gibt es Kliniken, den Kreuzbund, die Anonymen Alkoholiker und zahlreiche andere Vereine, die Wege aus der Sucht anbieten. Auch schon vor 30 Jahren.

Was es damals in Bottrop nicht gab, war eine Selbsthilfegruppe für Alkoholkranke und deren Angehörige. Und so gründete der damalige Pfarrer Lothar Kuschnik gemeinsam mit dem Sozialpädagogen Reinhold Bürger und dem bis heute aktiven Manfred Biskup 1988 im Martin-Niemöller-Haus die erste Selbsthilfegruppe ihrer Art. Seitdem ist in Fuhlenbrock ein Anlaufpunkt und eine Zuflucht entstanden, die die Evangelische Kirchengemeinde Bottrop über all die Jahre hinweg räumlich, personell und bisweilen auch finanziell unterstützt.

Das Fährhaus ist kein Verein, es ist eine eigenständige Interessensgemeinschaft. Hier muss man nichts unterschreiben, keine Mitgliedsbeiträge bezahlen, aber man darf ankommen. "Hier hat mich damals zuerst der Name angesprochen. Mit den anonymen Alkoholikern konnte ich noch nichts anfangen", erinnert sich Frank Lebendig, heute Sprecher der Gruppe.

Er ist seit knapp drei Jahren dabei. 35 Jahre lang hat Lebendig still und heimlich getrunken, bis irgendwann der psychische Zusammenbruch kam. Seitdem ist er trocken. Das Fährhaus hat ihm dabei geholfen. Die eigentliche Arbeit, sich von der Sucht zu befreien, hat er ganz alleine bewältigt.

Die andere Seite der Fährhausgruppe beschreibt Roswitha Liebner. Ihr Mann hat getrunken, ging vordergründig in die Gruppe und kam sturzbetrunken wieder nach Hause. Ohne die Hilfe seiner Frau hätte er es nie geschafft, mit dem Trinken aufzuhören. Damals ging sie einfach mit und lernte als Angehörige sofort die Möglichkeiten kennen, die einem Alkoholkranken offenstehen. "Ich sage immer: ich bin froh, dass mein Mann gesoffen hat. Im Fährhaus habe ich erst von so vielen therapeutischen Hilfen erfahren, die wir als Paar wahrscheinlich sowieso gebraucht hätten - so gut wie beinah jedes Paar. Jetzt sind wir gemeinsam da, wo wir sind. Und das ist gut so."

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 20.000 Menschen an den Folgen des Alkoholmissbrauchs. Das Fährhaus arbeitet nun seit drei Jahren motiviert dagegen. "Reinhold Bürger und die Sozialpädagogin Sabine Brill sind bei uns beschäftigt und begleiten das Fährhaus einmal im Monat aus ihrer fachlichen Perspektive", erklärt Pfarrer Achim Solty. Daneben unterstützt die Evangelische Kirchengemeinde die Gruppe mit einem Zuschuss für Seminare.

Das Fährhaus steht jedem Interessierten offen. Machmal braucht es nur einen Impuls, um sich zu trauen. So wie bei Frank Lebendig. "Meine letzte Flasche Bier habe ich am 3. Dezember 2014 morgens getrunken." Dieses Datum hat er sich in den Arm tätowieren lassen. "Es ist für mich Jubel und Mahnung zugleich. Für alle Zeiten." Kontakt: 0178/1722835. Bu/Bo

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