Kirche in der Migtationsgesellschaft

von Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten

Amtsleiterin führt in Hauptvorlage ein

Superintendentin Katrin Gökenjan, Recklinghausen (r.) und Superintendent Dietmar Chudaska freuten sich, Pfarrerin Annette Muhr-Nelson als Referentin begrüßen zu können. Foto: Bugzel

"Ich bin fremd gewesen, und ihr habt mich aufgenommen" lautet der Titel der Hauptvorlage, die erstmals auch in digitaler Form vorliegt. Sie soll bis zur nächsten Landessynode im November 2019 in den westfälsichen Kirchenkreisen und Kirchengemeinden diskutuiert werden.

Im Rahmen der gemeinsamen Pfarrkonferenz der beiden Nachbarkirchenkreise führte Pfarrerin Annette Muhr-Nelson, Amtsleiterin im Amt für Ökumene, Mission und kirchliche Weltverantwortung (Möwe), in das Schwerpunktthema ein.

"Die Hauptvorlage versteht sich als Impuls zu einer breit angelegten Verständigung darüber, wie wir in einer von kultureller und religiöser Vielfalt geprägten Gesellschaft künftig Kirche sein und gestalten wollen", sagte Muhr-Nelson. Sie rief dazu auf, Migranten als Subjekte wahrzunehmen und nicht "als Objekte unserer Nächstenliebe". Es gehe darum, Vielfalt zu erleben und das Eigene zu entdecken. Die Kernfrage laute: "Sind wir als Evangelische Kirche pluralismusfähig?"

Migration und Integration sind für die Amtsleiterin keine Sonderwirklichkeit, sondern sie finden statt, mitten im Alltag: in Schule und Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Kirche, im Gottesdienst, in der Musik. "Dabei fragen wir: Was können wir tun, damit wir Migration als selbstverständliche Wirklichkeit und als Chance begreifen?"

Man müsse die Bibel als Zeugnis von Migration und Wanderschaft wahrnehmen, "als Migrationsliteratur", erklärte Annette Muhr-Nelson. Während Migranten derzeit oft nur als Problemträger vorkämen, erzähle die Bibel im Alten und Neuen Testament Geschichten des Bewältigens und Gelingens von Migration.

Mehr als 258 Millionen Menschen befänden sich derzeit weltweit auf der Flucht, darunter allein 68 Millionen Kriegsflüchtlinge. "Die meisten von ihnen sind Binnenflüchtlinge und neun von zehn Flüchtlingen suchen Zuflucht in Entwicklungsländern. Vier Millionen Asylsuchende fanden Zuflucht in den allerärmsten Länder", wusste die Pfarrerin. Im letzten Jahr seien rund 100.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, "das beweist eine erfolgreiche Abschottungspolitik."

Auch viele Deutsche hätten einen Migrationshintergrund, "das muss ich Ihnen hier im Ruhrgebiet nicht sagen", erklärte Muhr-Nelson. Arbeitskräfte aus den ländlichen Regionen Ostpreußens, insbesondere Polens und Masurens, seien im Zuge der Industrialisierung ins Ruhrgebiet gewandert.
Seit dem Anstieg der Asylsuchenden insbesondere in den Jahren 2015 und 2016 habe die Debatte über die Herausforderungen der Zuwanderung an Schärfe zugenommen, zum Teil mit fremdenfeindlichen und rassistischen Motiven verknüpft, würden zunehmend Fragen der nationalen Identiät diskutiert, sagte Muhr-Nelson. Fremdenfeindlichkeit sei auch in Kirchengemeinden vorhanden. "Um so wichtiger ist es, dass Kirchen sich öffentlich schützend vor Menschen stellen, die Angriffen aus rechtsextremen oder fremdenfeindlichen Motiven ausgesetzt sind."

In der Hauptvorlage zeigten zahlreiche Beispiele aus dem kirchlichen Leben, wie Gemeinschaft von Christen und Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen gelingen könne und Schwierigkeiten überwunden würden. "Praktische Impulse für Kirche und Gemeinde zeigen Wege auf, wie der interreligiöse Dialog gefestigt und interkulturelle Entwicklung der Kirchen gefördert werden kann", erläuterte die Möwe-Amtsleiterin. Mit der Hauptvorlage verbinde sich anders als in der Vergangenheit nicht die Erwartung an Kirchengemeinden und Kirchenkreise, für den synodalen Prozess grundlegende Stellungnahmen zum Ganzen zu formulieren.

Erstmals gibt es die Hauptvorlage auch als interaktive Online-Fassung im Internet: www.kircheundmigration.de. Weitere Infos unter www.landessynode.de. Bu

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