Präses Kurschus verteidigt Kirchenasyl

von Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten

Fluchtgründe nicht gottgegeben

Präses Annette Kurschus kritisierte scharf die verbale Aufrüstung in der Politik. Foto: EKvW

"Manche Debatte wird hierzulande über den rechtlichen Status von Flüchtlingen geführt, als seien Flüchtlinge Sondermüll", sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Dabei werde davon abgelenkt, dass die Fluchtgründe nicht gottgegeben, sondern menschengemacht seien. Diese Unterschiede und Zusammenhänge zu benennen, sei biblisches Kernanliegen und ecke politisch an.

"Kein Mensch darf über andere Menschen verfügen, und kein Mensch politischer Willkür ausgesetzt werden." Die Präses wies zudem erneut pauschale Kritik am Kirchenasyl zurück und betonte dessen humanitäre Bedeutung. Menschlichkeit, Menschenwürde und Menschenrechte seien in jedem Einzelfall zu respektieren, sagte Kurschus, die auch stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende ist.

"Das Kirchenasyl als ultima ratio ist immer eine sorgfältig geprüfte und verantwortlich abgewogene Möglichkeit." Das dadurch eröffnete Zeitfenster, dessen Regeln sehr klar definiert seien, stärke den Rechtsstaat sogar. "Weil es in den meisten Fällen dem Recht zum Durchbruch verhilft", unterstrich die Präses. Im Bereich der EKvW gibt es aktuell 28 Fälle von Kirchenasyl mit insgesamt 42 Personen.

Scharf kritisierte Kurchus die "verbale Aufrüstung" in der deutschen Politik seit dem Einzug der AfD in den Bundestag. "Was lange selbstverständlich war, scheint zu bröckeln. Zivile Umgangsformen. Ein fairer Diskurs. Gegenseitiger Respekt, auch bei abweichenden Meinungen", beklagte Kurschus. Die Hemmschwelle für Beleidigungen und Verleumdungen sei gesunken. "Es besteht die Gefahr, dass populistische Tendenzen mit ebensolchen Mitteln bekämpft werden."

Als Beispiel für eine menschenverachtende Sprache nannte die Präses den Begriff "Asyltourismus", den Bayerns Ministerpräsident Söder (CSU) über die Zuwanderung von Flüchtlingen gebraucht hatte.

Die Kirche solle sich nach Ansicht der Präses der Diskussion mit AfD-Wählern per se nicht verschließen, aber kritisch hinterfragen. So müsse deutlich gemacht werden, dass das Programm der rechtspopulistischen Partei und der christliche Glaube in Widerspruch zueinander stünden. "Wo Toleranz keine Rolle mehr spielt in der Begegnung mit Andersgläubigen, wo Humanität, Barmherzigkeit und Hilfeleistung in ihr Gegenteil verkehrt werden im Umgang mit Gefüchteten, wird der Kern des Evangeliums verraten", betonte Kurschus. Bu/epd

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