Superintendent ruft zu Vorsicht und Rücksicht auf

von Ev. Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten

Pfarrer Steffen Riesenberg. Foto: privat

In seinen Predigten zum Heiligabend rief Superintendent Steffen Riesenberg zu Rücksicht, Vorsicht, Umsicht und Fürsorge angesichts der Corona-Pandemie auf. Das sei die bleibende Aufgabe, für sich selbst und in gleichem Maß für andere, insbesondere für Kinder und Ältere, so der leitende Theologe des Ev. Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten. Der Superintendent predigte in der Christvesper auf dem Schulhof der August-Everding-Realschule in Bottrop-Fuhlenbrock.

Jesus kommt nicht mit Gewalt, sondern mit Frieden. Auch damals gab es Befreier, die es mit Waffengewalt versuchten. Wie sie hießen, weiß man nicht mehr. Weil sie so viele waren, und weil keiner Erfolg hatte. Und so deutlich will ich das heute auch sagen: Die Coronamaßnahmen kann man finden, wie man will. Und niemand muss sich impfen lassen. Aber wer andere mutwillig ansteckt und damit in Gefahr bringt, Impfzentren anzündet, Ärzte, Apotheker und Politiker bedroht oder Journalisten und Polizisten verprügelt: Der ist kein Querdenker, der ist ein Terrorist. Gewalt wird uns nicht weiterbringen. Rücksicht, Vorsicht, Umsicht und Fürsorge, für uns selbst und in gleichem Maß für andere, insbesondere für Kinder und Ältere. Das wird uns helfen, auch im neuen Jahr.

Fehlende Weihnachtsstimmung sei ein ungerechter Anspruch an sich selbst, sagte Riesenberg. Auch Enttäuschung, Erschöpfung, Verzweiflung und Ratlosigkeit seien in höchstem Maße weihnachtliche Gefühle.

Das Kind in der Krippe verändert die Welt, in dem es uns verändert. Jesus ist Gottes liebevoller Blick auf die Welt und ein starker Mensch, beide in einer Person. Er verändert die Welt, weil er uns verändert. Das ist meine Weihnachtsstimmung in diesem Jahr, müde und erschöpft nach einem anstrengenden Jahr, sehnsuchtsvoll und hoffnungsvoll. 

In der Christmette, am Heiligen Abend um 23.00 Uhr, predigte Riesenberg in der Kirchhellener Pauluskirche und stellte die Kinder in den Mittelpunkt.

Wer das Kind in der Krippe lange genug angesehen und besungen und gefeiert hat, der bleibt nicht mehr gleichgültig gegenüber den Kindern, die heute in Armut und Elend aufwachsen müssen. In den Flüchtlingslagern an der Grenze von Belarus und Polen, zum Beispiel. Oder auf dem Rettungsschiff Sea-Eye 4 auf dem Mittelmeer, das an Weihnachten keinen sicheren Hafen für 216 Menschen findet. Oder hier bei uns. Mehr als jedes vierte Kind in Bottrop wächst in Armut auf. Erzbischof Oscar Romero hat es – tragischerweise schon 1979 – so gesagt: „Wir dürfen das Jesuskind nicht unter den hübschen Figuren in unseren Weihnachtskrippen suchen. Wir müssen ihn unter den unterernährten Kindern suchen, die nachts mit hungrigem Magen ins Bett gehen.“

Die Weihnachtsbotschaft, dass die Welt nicht verloren sei, setze Menschen und Kirchen in Bewegung. Das bedeute nämlich auch, so Riesenberg, dass die Welt verändert werden könne und müsse. Die Welt muss nicht bleiben, wie sie ist.

Wer das Kind in der Krippe lange genug angesehen und besungen und gefeiert hat, wer Gott am Kreuz hat sterben sehen, der wird eifrig zu guten Werken. Nicht, weil wir uns die Gnade verdienen könnten, sondern aus Dankbarkeit für das, was wir gesehen haben. Es ist diese wirklich gelebte Liebe Gottes in Jesus Christus, die das vollbringt. Diese Liebe Gottes zur Welt zieht sich nicht aus der Wirklichkeit zurück, sondern sie erfährt und erleidet die Wirklichkeit der Welt aufs Härteste. Heilsame Gnade! Einer erfährt und erleidet die Wirklichkeit der Welt mir mir. Das macht mich bereit, die Welt nicht so zu lassen, wie sie ist. Ganz besonders um der Kinder willen, unter denen wir ihn finden können.

Beide Predigten sind in Gänze auf der Seite Superintendentur abrufbar.

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