Synode lernt von Sankt Martin

von Ev. Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten

 

Die Kreissynode des Ev. Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten beschäftigte sich in Dorsten-Barkenberg mit dem Verhältnis von verfasster Kirche und Diakonie. Superintendent Steffen Riesenberg stellte die tätige Nächstenliebe als Wesensmerkmal von christlicher Kirche ins Zentrum seines Berichts. Es sei Aufgabe von Kirche, sowohl ganz praktisch zu helfen als auch politisch Verantwortung wahrzunehmen, um die Ursachen des Übels zu beseitigen, so der leitende Pfarrer des Kirchenkreises: „Es sind diese vermeintlich einfachen Dinge, die Jesus im Gleichnis will: Besucht die Kranken. Kleidet die Frierenden. Gebt den Hungrigen zu Essen. Lasst die Insassen im Gefängnis nicht allein. Das meinen wir, wenn wir sagen: Diakonie, die dienende Zuwendung zur Nächsten und zum Nächsten, das ist eine wesentliche Lebensäußerung von Kirche.“

In seinem Bericht ging Riesenberg die vier Strophen des bekannten Sankt Martin-Liedes durch. „Das Ross stand still beim armen Mann“, so heißt es dort. Im übertragenen Sinne warnte Riesenberg vor allzu schnellen Antworten auf die Nöte der Menschen: „Die Kirche, die sich für die Menschen stark machen will, muss sich aus dem Takt bringen lassen. Die Kirche muss den Plan ändern. Nicht gleich sofort alle Antworten haben und gute Pläne aus der Schublade zaubern, sondern für einen Moment stillstehen. Diese Ernsthaftigkeit sind wir den Menschen schuldig.“

Konkret wurde Riesenberg im Hinblick auf die Energiekosten und den bevorstehenden Winter: Es sei Aufgabe der Gemeinden und des Diakonischen Werkes, unkomplizierte Hilfe anzubieten. Die zusätzlichen Gelder aus der die Besteuerung der Energiepreispauschale gelte es jetzt abzurufen und für die Menschen in Gladbeck, Bottrop und Dorsten nutzbar zu machen.

Diakonisches Handeln stelle dabei immer den Menschen in den Mittelpunkt, so Riesenberg. Für große Akte der Dankbarkeit ist in der Martinslegende kein Platz, und die Dankbarkeit könne nie Bedingung oder Motiv für diakonische Arbeit sein: „Diakonie zielt nicht darauf, Relevanzansprüche deutlich zu machen. Mit guten Taten sollten wir nicht angeben, das bedeutet für mich auch eine gewisse Bescheidenheit in der Öffentlichkeitsarbeit. Eine Kirche, die sich für die Menschen stark macht, tut das um Willen und um der Menschen willen – und keinesfalls um ihrer selbst willen.“

Der Superintendent lud dazu ein, die verfasste Kirche und das Diakonische Werk noch besser zu vernetzen: „Es braucht die Kirche – als verfasste Kirche und als Diakonie. Den Auftrag haben wir gemeinsam, und deutliche Abgrenzungen verbieten sich, wenn wir vom Auftrag herdenken. In der öffentlichen Wahrnehmung haben verfasste Kirche und Diakonie ohnehin einen gemeinsamen Mantel an. Das Nebeneinander von kirchlichen und diakonischen Orten ist nicht mehr zeitgemäß, und im besten Fall könnten alle kirchlichen Orte als diakonische Orte – und andersherum – wahrgenommen werden.“

Ausdrücklich lobte Riesenberg die schon vorhandenen Kooperationsprojekte: „Da ist so viel, was wir voneinander lernen können. Gemeinsame Initiativen können viel ausrichten: ‚Das Gelbe vom Ei‘ zum Beispiel, eine Kooperation der Bottroper Öffentlichkeitsarbeit und der Rheinbabenwerkstatt zum Ewigkeitssonntag. Oder die geplante Konfigruppe mit diakonischem Fokus. Oder die wunderbare Zusammenarbeit von Tagespflege und Kita an der Gladbecker Heringstraße. Oder das Probedienstprojekt von Pfarrerin Alica Baron, geistliche Formate für Demenzwohngruppen zu entwickeln.“

Für den Sommer 2023 kündigte Riesenberg die nächste Tagung der Kreissynode an – sie wird dann in den neuen Werkhallen der Bottroper Rheinbabenwerkstatt tagen.

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