Macht Corona einsam?

von Ev. Kirchengemeinde Hervest-Wulfen

Definitiv: Ja! Die Situation mit der Pandemie in unserer Gemeinde, in unserem Land, ja auf der ganzen Welt, setzt uns zu. Komplikationen in den normalen Abläufen, Schwierigkeiten und Stress bleiben nicht aus. Wir Menschen reagieren darauf unterschiedlich, je nach Temperament. Und wir sind ja auch unterschiedlich betroffen, je nach unserer Lebens- und Arbeitssituation.

Zwei Beispiele: Der junge Mann, der gerade sein Studium beginnt. Er hat ein Zimmer in einem Studentenwohnheim am neuen Studienort. Alle Semestereingangs-Veranstaltungen, die der Orientierung und dem Kennenlernen dienen, können nicht stattfinden. Nur Home Office geht. So sitzt er in seinem Studentenzimmer vor dem Computer. Er fühlt sich einsam und etwas orientierungslos.

Oder die hochbetagte Frau, die ins Krankenhaus muss. Bisher konnte sie noch alleine zu Hause wohnen, mit Hilfe ihrer Kinder. Aber jetzt, im Krankenhaus, darf sie innerhalb von 5 Tagen nur für eine halbe Stunde Besuch empfangen. Die Kinder haben ihr ein Handy mitgegeben, damit man Kontakt halten kann. Aber sie kommt mit der Bedienung das Smartphones nicht zurecht. Sie fühlt sich auf diesem letzten Lebensabschnitt einsam und alleingelassen.

Zwei ganz unterschiedliche Situationen, die man so gut nachfühlen kann. In der einen oder anderen Weise ist jede und jeder von uns in dieser Zeit betroffen. Wir sind wie auf uns selbst zurückgeworfen. Den eigenen Grenzen und Ängsten und Stressfaktoren, die zu uns gehören, ausgeliefert. Vieles von dem, was uns sonst hilft, ist jetzt nicht zugänglich: Z.B. das zwanglose Treffen mit Freunden. Das Lachen in größerer Runde, das so entlastet und entspannt. Das vertraute Gespräch unter vier Augen, mit der besten Freundin oder dem besten Freund. Der zwanglose Austausch unter Kolleginnen und Kollegen, der uns gut tut, ist eingeschränkt.

Und dazu zeichnet sich jetzt, Ende 2020 ab, dass uns diese Situation noch einige Zeit im Griff haben wird. Eine Entspannung, eine Rückkehr zum gewohnten Leben, wird es möglicherweise erst in der 2. Jahreshälfte 2021 geben, hoffentlich!

Was können wir tun? In der Bibel findet sich ein tolles Wort, wie gemacht für diese Zeit:

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

2.Timotheus 1,7.

Ich möchte das für mich und uns und für alle unsere Stressfaktoren in Anspruch nehmen. Bei allem haben wir Möglichkeiten in unserem Glauben und unsere Miteinander, die uns durch diese Zeit helfen. Das ist der Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit!

Wie das im Einzelnen aussieht, wird jede und jeder für sich selbst herausfinden. Der Student verbringt jetzt mehr Zeit im Elternhaus. Von da funktioniert „Homeoffice“ auch. Die alte Dame hat eine Schwester gefunden, die für sie das Smartphone bedient. Und im Gespräch leuchtet wieder ihr Humor auf, der ihr schon in so vielen Lebenssituationen geholfen hat.

Es gibt so vieles, was uns überraschend helfen kann. Wir können telefonieren. „Ich wollte einfach mal hören wie es dir so geht!“ Ein Anruf, ein Gespräch, das gut tut und garantiert ansteckungsfrei ist.

Mancher schreibt jetzt wieder mehr Briefe: So ein Stück Papier, das jemand dann im Briefkasten findet, wo ein lieber Mensch unerwartet an ihn denkt. Genauso wie eine elektronische Nachricht, die persönlich ist und von Herzen kommt.

So wie auch dieser Gemeindebrief heute ausnahmsweise per Post zu Ihnen kommt! Wir haben einfach nach Möglichkeiten gesucht, wie wir Sie in Ihren vier Wänden erreichen können. Wir möchten Ihnen auf diesem Weg ganz viel von Gottes Geist wünschen und schicken und senden: Den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit!

Pfarrer M.Laage

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