SCHULTERBLICK

von Ev. Kirchengemeinde Hervest-Wulfen

... über die Gemeindegrenzen hinaus

Die „Simeonsherberge" -ein Haus für Pilger auf dem deutschen Abschnitt des Jacobswegs und für die Menschen im Stadtteil.

In der oberen Altstadt von Minden steht die 700 Jahre alte Simeoniskirche mit einem dazugehörigen 120-jährigen Pfarrhaus. So zentral beide auch liegen: Seit 2003 findet in der Kirche kein Gemeindegottesdienst mehr statt, das Pfarrhaus wird schon viel länger nicht mehr von einem Pfarrer bewohnt. Die Nutzung beider Gebäude wurde über Jahre diskutiert.
Friedrich Kasten, Leiter der kirchlichen Jugendarbeit in Minden, war vor allem vom pulsierenden Leben im Altstadtviertel fasziniert: Hier leben Menschen aus vielen Kulturkreisen und mit unterschiedlichen Prägungen. "Ich habe mich oft gefragt: Müsste Kirche nicht genau hier entstehen -mitten im bunten Treiben des Viertels? Auf den Mauern des Alten?"
Das Team um Kasten machte sich Gedanken: Welche Schritte müssen wir gehen, damit die traditionellen Kirchen der Stadt sich öffnen für neue Wege? Wie können wir ein lebensbejahendes Bild Gottes in unserer Stadt zeichnen? Eine Sehnsucht nach anderen Wegen zu den Menschen - war geweckt. In dem alten Pfarrhaus könnte doch ein Ort entstehen, der Gemeinschaft in vielfältigen Formen ermöglicht. Möglicherweise auch noch Begegnung und Impulse von außen. Quasi eine Art Kloster. Ein Anziehungsort mitten im pulsierenden Viertel.

Aus dem Traum wird 2014 die "Simeonsherberge" geboren: Im Dachgeschoss entsteht eine Wohnung für eine Person, ein Ehepaar oder eine WG von Christen, die in dem Projekt arbeiten. In der mittleren Etage werden Mehrbettzimmer gebaut, in denen Reisende, Pilger oder Leute, die zeitweise im Projekt mitarbeiten, wohnen können. Das Erdgeschoss ist für das Herz des Hauses vorgesehen. Hier gibt es eine Küche mit Platz zum gemeinsamen Kochen und Essen und ein Wohnzimmer zum Spielen, Reden, Feiern -mit Verbindung über den Wintergarten nach draußen. Ist dieser Traum ein Gegenentwurf zu den klassischen Gemeinden? "Das Pfarrhaus soll das Leben der Kirchen ergänzen, nicht ersetzen", sagt Friedrich Kasten. ,,Die Kirchen werden als Ort mit eingeschränkten Öffnungszeiten und als Veranstalter wahrgenommen. Eine Herberge wäre einfach eine andere Form von Kirche."

Der Anfang war nicht einfach: Ein Trägerverein wurde gegründet, eine Anschubfinanzierung musste organisiert werden. Und es wurden viele Menschen gebraucht, die an der Realisierung der Idee mitarbeiteten.
Inzwischen ist die „Simeonsherberge" nach umfassenden Umbauarbeiten im Pfarrhaus eröffnet, sogar eine Vollzeitbetreuung durch eine hauptamtliche Mitarbeiterin konnte gesichert werden. Ein neuer Weg, Kirche neu zu denken, ist entstanden. Er ersetzt übrigens nicht die vorhandenen kirchlichen Angebote -darauf weist schon der Name des Trägervereins hin: ,,Weitere Wege e.V."

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