Was gibt uns Halt?

von Ev. Kirchengemeinde Hervest-Wulfen

Egal, ob Sie an der Kasse im Supermarkt sitzen, alle Hände voll zu tun haben, dazu noch mit Angst, sich anzustecken.

Oder ob Sie bangen, wann Sie Ihren lieben Menschen im Seniorenheim wieder besuchen dürfen. Ob Sie in Angst sind wegen des Erhalts Ihres Geschäfts, das noch nicht öffnen darf. Oder ob Sie einfach eine Riesensehnsucht nach einem lockeren Abend mit Freunden (wie früher) haben. Oder nach Umarmung. Oder einfach nach Nähe.

Uns allen stellt sich die gleiche Frage: Was gibt uns Halt?

 

Wenn ich jetzt die alten Sätze der Bibel lese, dann klingen sie anders. Wie z.B. dieser: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ (Psalm 73,25) … dann merke ich, dass Menschen schon früher in apokalyptischen Zuständen gelebt haben. Ohnmacht gegenüber Krankheit, Krieg oder gefühltem Weltuntergang ist nichts Neues. In solchem Glauben, in solchen Sätzen haben Menschen Halt gefunden. Und auch mir klingen sie jetzt neu und frisch und wohltuend.

Manche erheben jetzt den Zeigefinger und sagen, dass alles sei eine Strafe Gottes. Aber ich glaube nicht, dass Gott so ist. Ich glaube, dass Grenzen und Endlichkeit und Ohnmacht immer schon zu unserem Leben auf dieser Welt dazugehört haben. Wir haben es nur vielleicht vergessen.

Was jetzt zählt, finde ich in einem anderen Bibelwort: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8). Liebe üben! Da nähen Freiwillige aus der Gemeinde Gesichtsmasken für das Seniorenheim. Da tritt jemand aufmerksam zur Seite, damit der Abstand gewahrt bleibt. Da überrascht mich jemand mit einem Anruf: „Ich wollte einfach mal hören, wie es Dir jetzt geht!“

Ich wünsche Ihnen viele solcher Liebes-Momente, die auch jetzt möglich sind!

Pfarrer Michael Laage

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