einwort

einwort ist das Magazin der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop. Für jede Ausgabe wählen wir ein Wort, dessen Breite und Länge und Tiefe und Höhe wir ausloten. Wir glauben, dass ein Wort die Seele gesund machen kann. Auf der Suche nach den richtigen Wörtern erzählt einwort von Gott und der Welt. Denn am Anfang von allem war das Wort, und das Wort war bei Gott.

Ehrensache

von Ev. Kirchengemeinde Bottrop

In Deutschland üben 23 Millionen Menschen ein Ehrenamt aus. Sie engagieren sich freiwillig und übernehmen wichtige gesellschaftliche Aufgaben. Auch in unserer Kirchengemeinde.

Amir Noshirvani, 32

Amir Noshirvani

Er ist seit über drei Jahren in Deutschland, hat als Küstervertretung gearbeitet, macht in der Kantorei und im Glockenchor Musik, begleitet Kantor Matthias Uphoff mit der Geige und hilft als Persisch-Übersetzer. Derzeit wartet er darauf, dass das BAMF sein im Iran absolviertes Studium der Sportwissenschaften anerkennt. Im Iran droht ihm die Todesstrafe, weil er Christ wurde.

Ich habe eine andere Meinung, als ich sie im Iran haben darf.

„Ich habe mich vor einigen Jahren intensiv mit den Weltreligionen beschäftigt und so auch das Neue Testament kennengelernt. Eine faszinierende Schrift. Damals habe ich mich in einem muslimischen Land entschieden, Christ zu sein.

Aus Überzeugung habe ich das Neue Testament ausgedruckt und verteilt. Hunderte Exemplare. Bis die Polizei kam, gewaltsam in mein Zuhause eindrang, meinen Vater verletzte, mich suchte. Dass mein Vater bei der Aktion starb, habe ich erst Monate später erfahren.

Ich floh. Erst in den Norden, dann in die Türkei. Von dort ging es mit einem kleinen Boot nach Griechenland. 25 Kilometer off enes Meer. Zwei begleitende Boote sanken bei der grausamen Überfahrt. 80 Menschen starben dabei – und wir waren mittendrin. Insgesamt durchquerte ich 13 Länder, landete in München, Berlin, Hamm und schließlich in Bottrop.

Hier saß ich eines Nachts alleine auf den Stufen der Martinskirche, betete zu Gott und bat um ein Zeichen. In dem Moment schlugen die Kirchturmglocken. Ich sah nach oben und weiß seitdem, wo ich hingehöre.“

Sabine Müller-Ostermann, 51

Sabine Müller-Ostermann

Seit 40 Jahren ist sie in vielen Funktionen für die Kirche tätig – derzeit in der Kantorei, in der Gottesdienst-AG und im Bezirksausschuss. Zudem diskutiert sie als Rollstuhlfahrerin mit, wenn es um die Integrationsmöglichkeiten körperlich Behinderter geht. Sabine Müller-Ostermann leidet an einer unheilbaren Rückbildung des Muskelgewebes (Muskeldystrophie).

Manchmal sind es ganz kleine Dinge, die anderen helfen.

„Verzweiflung lag mir einfach immer fern. Ja, ich habe eine fortschreitende Krankheit, trotzdem kann ich viel bewirken. So habe ich als Mitglied im Elternrat zum Beispiel die einzige evangelische Grundschule in Bottrop (Albert-Schweitzer-Grundschule) mit vor dem Aus gerettet.

Die anderen Grundschulen sind städtisch oder katholisch. Heute befindet sich die Schule nach dem Umzug an der Prosperstraße. Auf dem Gelände des früheren Schulgebäudes steht jetzt die Hochschule. Außerdem habe ich einen Kalender entwickelt, auf dem alle christlichen, jüdischen und muslimischen Feiertage eingezeichnet und erklärt sind.

Spätestens hier erkennt man auch, wie nah sich diese Religionen sind. Ich überlege derzeit noch, Lesepatin für eine Behindertenschule zu werden, um zu zeigen, dass man auch im Rollstuhl viel schaffen kann. Auch wenn es manchmal schwer ist, so ist das nun mal.“

Christine Wittgenstein, 64 / Norbert Scharain, 70

Christine Wittgenstein
Norbert Scharain

Beide arbeiten bei der Regional Organisierten Seelsorge Ehrenamtlicher (ROSE). Sie ist zudem bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger tätig und war vor ihrer Pensionierung Lehrerin und Schulleiterin. Er war vor dem Ruhestand Ingenieur für Nachrichtentechnik und ist seit vielen Jahren im CVJM engagiert.

Wittgenstein: „Natürlich können wir keine Seelen retten. Aber wir können vielleicht durch unsere Gespräche und das Zuhören für die Seele eines Menschen etwas Gutes tun.

Das sind manchmal die ganz kleinen Dinge. Manchmal rettet es tatsächlich schon jemanden aus einer akuten Notsituation, wenn er die Möglichkeit hat, sich zu öffnen und Dinge zu artikulieren und auszusprechen. Auch ich habe vor vielen Jahren mit einem Seelsorger gesprochen, der mich damals durchaus aus einer emotionalen Not gerettet hat.“

Scharain: „Das Wort Retter ist ein großes Wort. Dazu fällt mir spontan ein, dass Jesus Christus für mich ein Retter ist, der mich aus gruseligen Situationen immer wieder heraus rettet.

In meiner Seelsorgerfunktion geht es wiederum um Probleme mit Eltern, Partnern oder Kindern. Manchmal ist aus diesen Beziehungsproblemen schwer zu retten, weil eine Person dieses Beziehungsgeflechts bereits gestorben ist. Dennoch gibt es immer Rettungsmöglichkeiten – auch über den Tod hinaus.“

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Herausgeber:
Evangelische Kirchengemeinde Bottrop

V.i.S.d.P.:
Pfarrerin L. Krengel, Pfarrer S. Riesenberg

Redaktion:
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M. Bokelmann (Öffentlichkeitsreferent)

Fotografie:
M. Bokelmann

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M. Holtkamp / www.firestone-design.de