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einwort ist das Magazin der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop. Für jede Ausgabe wählen wir ein Wort, dessen Breite und Länge und Tiefe und Höhe wir ausloten. Wir glauben, dass ein Wort die Seele gesund machen kann. Auf der Suche nach den richtigen Wörtern erzählt einwort von Gott und der Welt. Denn am Anfang von allem war das Wort, und das Wort war bei Gott.

El Cerrejón - einer bezahlt immer

von Ev. Kirchengemeinde Bottrop

Ein gutes Sechstel des Stroms in Deutschland wird mit Hilfe von Steinkohle erzeugt. Das bleibt auch im kommenden Jahr so, wenn wir selbst keine Steinkohle mehr fördern. Und noch kümmern wir uns nicht sonderlich darum, woher die Kohle kommt, die wir dann in Gießereien, in der Stahlindustrie und vor allem in Kraftwerken verbrennen. Schon jetzt wird der Großteil der Kohle, die wir in Deutschland brauchen, aus dem Ausland importiert.

Die Hauptlieferanten für Steinkohle sind Bergwerke in Russland und Kolumbien. Die Kohle von dort ist viel billiger als unsere eigene. Das hat natürlich Gründe: Beim Umweltschutz, bei der Bezahlung der Kumpel und bei der Sicherheit in den Bergwerken wird gespart. Weil wir in Deutschland Milliarden an Subventionen einsparen, zahlen andere unsere Rechnung: die Kumpel in den Gruben in Kolumbien zum Beispiel. Sie bezahlen nicht mit Geld, sondern mit ihrer Umwelt, ihrem Leben und ihrer Gesundheit.

Das katholische Hilfswerk Misereor schätzt, dass im kolumbianischen Bundesstaat La Guajira in den letzten 10 Jahren knapp 5.000 Kinder an Unterernährung verstorben sind, weil extreme Armut herrscht und das Wasser knapp wird. Der große Steinkohletagebau El Cerrejón verbraucht 17 Millionen Liter Wasser am Tag. Der Grundwasserspiegel sinkt und das verfügbare Wasser ist verschmutzt. Für die Menschen, die um das Bergwerk herum wohnen, bleiben nur 0,7 Liter Wasser pro Tag übrig.

Misereor berichtet von Zwangsumsiedlungen von ganzen Gemeinden – ohne Entschädigung. Wer demonstriert oder politisch gegen die Kohleunternehmen vorgeht, setzt sein Leben aufs Spiel: Der Gemeindesprecher Aldemar Parra hat sich für die Rechte seiner Gemeinde stark gemacht – im Januar 2017 wurde er ermordet.

In der Region César sind Anfang diesen Jahres Gewerkschafter und Menschenrechtsaktivisten mit dem Tod bedroht worden. Sie hatten sich mit den niederländischen und deutschen Botschaftern getroffen. Eine paramilitärische Gruppe erklärte daraufhin, dass sie alle „Verteidiger der Menschenrechte“ ausrotten wolle, um die Interessen der Kohlekonzerne zu verteidigen.

 

Alle großen deutschen Energiekonzerne, auch unsere heimischen, Uniper und RWE, importieren Steinkohle aus Kolumbien.

In César sind seit der Jahrtausendwende mehr als 3.100 Menschen getötet und über 50.000 Bauern vertrieben worden. Die Opfer und ihre Angehörigen haben keine Anerkennung und angemessene Entschädigung erhalten. Die Zahlen aus César stammen von der niederländischen Organisation PAX.

Alle großen deutschen Energiekonzerne, auch unsere heimischen, Uniper und RWE, importieren Steinkohle aus Kolumbien. Die Bemühungen, sichere Arbeitsverhältnisse und angemessenen Umweltschutz zu gewährleisten, sind bis jetzt halbherzig geblieben. In einer Welt der globalen Wirtschaft zahlen vielleicht andere unsere Rechnung, aber die Verantwortung bleibt hier bei uns: Die Kohle geht, der Kumpel bleibt. Die Kumpel in Kolumbien, ihre Familien und Kinder sollten uns genauso wichtig sein wie die Kumpel in unserem Pütt es immer waren.

Sie malochen für uns. Denn die Geschichte der Steinkohle im Ruhrgebiet ist auch eine Geschichte des Lernens: Umweltschutz, Arbeitssicherheit und die Rechte der Arbeitnehmer – die hohen Standards, die wir heute kennen, sind hier erkämpft und erarbeitet worden. Dieser Verantwortung müssen wir gerecht werden.

Um ein Problem zu lösen, muss man anerkennen, dass es überhaupt ein Problem gibt. Ermordete Gewerkschafter, durstige Kinder, hochgefährliche Arbeitsbedingungen, verschmutzte Seen und Zwangsumsiedlungen sind ein Problem, und unsere Gier nach billigem Strom ist ein Grund dafür. Alle großen deutschen Energiekonzerne, auch unsere heimischen, Uniper und RWE, importieren Steinkohle aus Kolumbien.

Hier kommen drei Vorschläge für konkrete erste Schritte:

  1. Fragen Sie Ihren Energieversorger, wo die Kohle herkommt, die in den Kraftwerken verbrannt wird. Die deutschen Konzerne müssen sich ihrer Verantwortung stellen.
  2. Schreiben Sie an die neue Kohlekommission des Bundes und verlangen Sie ein schnelles Ende der Steinkohlenimporte.
  3. Spenden Sie. Misereor unterstützt die Organisationen in Kolumbien. Sie bezahlen die Anwaltskosten für arme Familien, die sich gegen Zwangsumsiedlungen wehren, und beraten juristisch und politisch.

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