einwort

einwort ist das Magazin der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop. Für jede Ausgabe wählen wir ein Wort, dessen Breite und Länge und Tiefe und Höhe wir ausloten. Wir glauben, dass ein Wort die Seele gesund machen kann. Auf der Suche nach den richtigen Wörtern erzählt einwort von Gott und der Welt. Denn am Anfang von allem war das Wort, und das Wort war bei Gott.

UMTZ UMTZ UMTZ UMTZ...

von Ev. Kirchengemeinde Bottrop

Wir sprechen über Yps und die Bravo, David
Guetta und Goldene Schallplatten, das Alter und
die aktuellen Charts. Und wir reden über eine
Karriere, die als Frank Tomiczek startete, mit
DJ Hooligan ein Intermezzo erfuhr und seit über
20 Jahren Da Hool heißt – seit der Bottroper
Musikproduzent den weltweiten Überhit
„Meet her at the loveparade“ schrieb.

 

Sweatshirt, Cap, Jeans. Wie denn auch sonst? Da Hool hat zwar gerade die 50 geknackt, aber das gibt ihm noch lange nicht die Pflicht, auch wie 50 auszusehen. Wobei es auch ein Phänomen dieser Zeit ist, dass sich die Altersunterschiede zwischen jung und reifer kaum noch anhand der Klamotten offenbaren.

Sobald die Worte jedoch ihren Besitzer wechseln, taucht man in die Tiefen eines bedachten Musikers ein, der die Höhepunkte einer Musikerkarriere erlebte und sich zugleich auf dem Boden der Tatsachen wohlfühlt. Was für ein Spagat. „1996 kam ich von der Loveparade aus Berlin zurück, konnte aber nicht schlafen. Also ging ich nachts ins Studio und hab den kompletten Track in ein paar Stunden aufgenommen.“ Techno. Das ist vor allem elektronische Musik aus dem Computer. Sehr reduziert. Beinahe minimalistisch. Es quietscht und dröhnt, es treibt und ist fast monoton hypnotisch. Umtz Umtz Umtz Umtz. Man kann endlos darauf tanzen. Und es hat mit Bach und Beatles so viel zu tun wie Pommes mit Haute Cuisine. Aber es ist kult. Meet her at the loveparade wurde in Deutschland, England, Frankreich, Benelux und Südafrika mit GOLD ausgezeichnet. Es war in Amerika, Russland, Australien und Brasilien über Wochen in den Charts. Mit diesem über Nacht entstandenen Song hat sich Da Hool nicht nur in die erste Liga der DJs katapultiert. „Ich sag mal so: Meet her at the loveparade ist auch meine Altersvorsorge.“

Beats statt Beamter

Bevor aus Frank Tomiczek Da Hool wurde, machte er eine Ausbildung zum technischen Zeichner – inkl. IHK-Abschluss. Der Junge sollte doch etwas Ordentliches lernen. Aber wer will schon gerade Linien zeichnen, wenn die Kreativität explodiert. Also legte er lieber als DJ auf und rieb sich fortan mit seinen Eltern, die ihn zu einem regelmäßigen Job antrieben. Mehr aus Verlegenheit bewarb er sich also im allgemeinen Vollzugsdienst, bestand die Prüfungen auf Anhieb und sah sich plötzlich als Beamter im Staatsdienst wieder. Zugegeben – eine vergleichsweise kontraproduktive Tätigkeit zur musikalischen Leidenschaft, und darum war damit auch wieder Schluss, als der erste Song 1994 in die Charts auf Platz 16 kletterte. Rave Nation, mit damals 230.000 verkauften Exemplaren. Im Streamingzeitalter anno 2019 bekäme die Scheibe von der Musikindustrie GOLD.

Damals war es eben ein bemerkenswerter Charterfolg. Von da an nur noch Musik und kurz darauf DER Hit. Meet her at the love parade funktioniert über 20 Jahre nach Erscheinen immer noch als Klischee für eine ganze Musikrichtung. Berichten Fernsehsender heute über den Hype rund um den Techno, wird nicht nur einmal sein Song unterlegt. „Ich bekomme auch fast jeden Monat Anfragen aus der ganzen Welt, die meinen Song remixen wollen. Bei manchen gebe ich auch wirklich gerne mein Okay – Hauptsache, es ist eine kreative Bearbeitung. Einfach nur covern finde ich langweilig!“ Wer Meet her at the loveparade bei Google eingibt, erhält fast 500.000 Treffer. Ein Song mit hunderttausend Adaptionen. Kult.

„Yps, Brauner Bär, Schalke
und Vanilia-Jeans. Offenbar
muss sich ein Produkt
oder auch eine Person
diesen Kultstatus erst
mal erarbeiten“, denkt
Da Hool laut.

Yps, Schalke, Clapton

„Kult wird nicht gemacht, der entsteht ja irgendwie.“ Da Hool grübelt über die Bedeutung des eigenwilligen Wörtchens KULT nach. Es wird auf der einen Seite inflationär häufig genutzt und ist bei genauer Betrachtung doch so schwer zu fassen. „Yps, Brauner Bär, Schalke und Vanilia-Jeans.

Da Hool

Offenbar muss sich ein Produkt oder auch eine Person diesen Kultstatus erst mal erarbeiten“, denkt Da Hool laut. Und im Grunde hat er doch recht: Damit ein Künstler zum Kult wird, muss er Patina ansetzen. Eric Clapton ist im Alter cooler denn je. Paul McCartneys Mythos reift mit jedem Lebensjahr. Yps wird immer wieder veröffentlicht, und auch der Braune Bär wird als Special Edition wieder und wieder aufgelegt. Manches ist retro, manches zeitlos und manchmal wird etwas Kult. Dirigieren kann das niemand. Außer vielleicht … „Im Religionsunterricht wurde ich immer in den evangelischen Unterricht gesteckt“, erzählt der Sohn einer streng neuapostolischen Familie. Bis heute betet er regelmäßig. Die steinerne Kirche betritt er indes nicht mehr. Vielleicht auch, weil er zig Wochen im Jahr unterwegs ist und zu den klassischen Gottesdiensten schlichtweg nicht vor Ort ist. Muss er auch nicht, stattdessen „spiele ich lieber mit den Jungs von der C.A.S.A. Fußball.“

Kult-DJ

Und sonst? Da Hool produziert bis heute Musik, warum sollte sich das auch ändern – es ist sein Beruf. Die letzte Single On a trip lief im deutschen Kinofilm Abschlussfahrt, Meet her at the loveparade war soeben Song der Coca-Cola-Werbung in Hong-Kong, und Wankers on duty war die Musik zur Werbekampagne des GTA-Spiels auf der Sony Playstation. Da Hool verdient auch mit der Platzierung seiner Musik in Kino, TV und Werbung sein Geld. „Synch“ nennt die Branche das dann. Anders geht es als Profi auch gar nicht. Und dann erzählt er, wie er vor kurzem mit David Guetta telefonierte. Es ging um ein gemeinsames Projekt. Vielleicht wird noch was draus. Er ist halt ein Kult-DJ – „Das höre ich wirklich öfter.“ Er lächelt darüber, kann seinen eigenen Hit eigentlich nicht mehr hören und ist doch sympathisch glücklich über diesen ganz besonderen Volltreffer. Kult halt.

„Meet her at the love
parade“ funktioniert über
20 Jahre nach Erscheinen
immer noch als Klischee
für eine ganze Musikrichtung.

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Redaktion:
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M. Bokelmann (Öffentlichkeitsreferent)

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