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einwort ist das Magazin der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop. Für jede Ausgabe wählen wir ein Wort, dessen Breite und Länge und Tiefe und Höhe wir ausloten. Wir glauben, dass ein Wort die Seele gesund machen kann. Auf der Suche nach den richtigen Wörtern erzählt einwort von Gott und der Welt. Denn am Anfang von allem war das Wort, und das Wort war bei Gott.

Wasser marsch!

von Ev. Kirchengemeinde Bottrop

Es kommt aus dem Hahn, manchmal auch direkt aus dem Brunnen. Es ist verfügbar und so alltäglich wie Luft. Vielleicht schätzen wir es deshalb kaum. Und doch ist Wasser ganz besonders.

Wo soll man also beim Wasser nur anfangen?

Vielleicht hier: Vor Milliarden Jahren kreisten jenseits des Mars Asteroiden, die irgendwann einer marsfernen Schwerkraft folgten und auf der bis dato staubtrockenen Erde landeten. Mit dabei: gigantische Mengen kosmischen Wassers. So die extraterrestrische Deutung. Eine andere geht davon aus, dass in der sich festigenden Erdmasse bereits das heutige H2O gesammelt war. Wieder andere Überlegungen ziehen die kondensierenden Vulkandämpfe heran… kurzum: Es gibt keine eindeutige Herleitung, woher das Wasser auf unserer Erde stammt. Fest steht allerdings, dass es auch auf anderen Planeten unseres Sonnensystems Wasser gibt. So ganz unwahrscheinlich ist die Variante aus dem All also nicht.

Wie dem auch sei: Seit Milliarden Jahren ist die Erde etwa zu 2/3 von Wasser bedeckt. Von 1386 Trillionen Liter oder 1386000000 Kubikkilometer Salzwasser. Das Süßwasser macht demgegenüber nur 2,63 % aus. In absoluten Zahlen ist das immer noch gigantisch, wäre nicht der weitaus größte Teil dieser 2,63 % im ewigen Eis, den Polkappen und in den Gletschern gefroren. Lediglich 0,03 % des weltweiten Wasservorrats sind fassbares Trinkwasser in Flüssen, Seen, Talsperren, im Grundwasser etc. Es gibt also tatsächlich verhältnismäßig wenig Trinkwasser auf dieser Erde. Und dass auch der Mensch etwa zu 2/3 aus Wasser besteht, mag ein Zufall sein. Muss es aber nicht.

Kriege ums Trinkwasser?

Reisen wir nun in die Zukunft prognostizieren einige Experten regelrechte Kriege ums Trinkwasser. Das klingt weltmännisch und erschreckend genug für bedeutende Schlagzeilen in bedeutenden Medien. Das Gros der Forscher ist sich indes einig: Diese Kriege wird es nicht geben, weil schlichtweg die Kosten- Nutzen-Rechnung nicht stimmt. Ein Tag Krieg ums Wasser wäre so teuer, dass dafür eine komplette Entsalzungsanlage gebaut werden könnte. Und salziges Meerwasser besitzen wir im Überfluss. Der Stoff, aus dem das Leben ist, wird uns für lange Zeit erhalten bleiben. Womöglich für immer. Aber das wäre wohl eher prophetisch.

Tatsächlich ist dieser Stoff im wahren Wortsinne Quelle allen Werdens und allen Seins. Fruchtwasser, Urmeere, Tränen. Wasser ist Nahrungsmittel, Energielieferant, Spaßmedium, Naturschauspiel und zugleich brutale Zerstörungsmaschine. Es trägt uns und lässt uns untergehen. Wasser ist absolut multifunktional. Wasser ist absolut gegenwärtig.

Der Wasserkreislauf

01 – Verdunstung
Die Sonne erwärmt das Wasser, es steigt als Nebel oder Wasserdampf auf.

02 – Niederschlag
Dieser verdichtet sich zu Wolken und fällt als Regen, Schnee oder Hagel wieder auf die Erde.

03 – Versickern
Der Niederschlag versickert im Boden. Pflanzen nehmen einen Teil auf und geben das Wasser später wieder an die Luft ab.

04 – Grundwasser
Das Wasser füllt die unterirdischen Grundwasser auf und fließt z.T. wieder ins Meer.

3 Tage ohne Wasser

Demgegenüber sind die Meere der mit Abstand am wenigsten erforschte Bereich dieser Welt, und bevor wir die Tiefsee erforschen, reisen wir lieber zum Mars. Wasser ist so lebensfern und doch so lebensnah. Es rettet jedem einzelnen Menschen auf diesem Planeten das Leben und kann ihn zugleich töten. Beispiel: Auch wenn wir es einst so lernten – der Mensch kann durchaus drei Tage ohne Wasser auskommen. Ghandi hat bis zu 21 Tage gedarbt. Schiffbrüchige, Kriegsgefangene, Bergleute nach einem Unglück, sie alle beweisen, dass es länger geht.

Der Radfahrer, der bei 40 Grad ohne zu trinken fährt, bringt sich indes nach wenigen Stunden in einen lebensbedrohlichen Zustand. Faustformeln funktionieren nicht wirklich. Also trinken wir, um zu sein. Und jeder Schluck ist eine kleine Rettung. Auch wenn sie uns nicht so dramatisch vorkommt. Und dann greifen wir zum stillen Wasser, Sprudelwasser, Leitungswasser oder pressen selbst die Kohlensäure in die Stille hinein. Wir zahlen für das teuerste Mineralwasser der Welt 120,– Euro pro Liter (Rokoko no Oishi Miau aus Japan) oder 1,32 Euro für 1 Kubikmeter (= 1.000 Liter) Bottroper Leitungswasser. Ein Schelm, wer Böses bei diesen Pseudopreisen denkt.

Stiller Lebensretter

Von daher ist Wasser natürlich ein besonderer Stoff, der ambivalenter kaum genutzt werden kann, wenn es mal durch die Toilette rauscht und mal ins Trinkglas fließt. Es ist ein stiller (oder sprudelnder) Lebensretter. Pur oder geschüttelt. Mal fest, mal als Dampf, mal flüssig. Auch damit ist Wasser einzigartig – zumindest als chemisches Element. Und nicht zuletzt ist es abseits von naturwissenschaftlichen oder menschelnden Blickwinkeln auch ein Stoff der Religionen. Neben vielen biblischen Geschichten rund um das Wasser beginnt zum Beispiel das Christsein mit genau diesem Element.

Christliches Element

Die Taufe als Eintritt und Beginn eines Christenlebens ist ohne Wasser schlichtweg unvorstellbar. Auch das ursprüngliche Reinigungsritual verändert sich im Laufe der Jahrhunderte und erfährt so einen expliziten Bezug auf Jesus Christus: Das Untertauchen im Wasser symbolisiert damit Sterben, Begrabenwerden und Auferstehen mit Jesus Christus. Selbstredend messen auch die anderen Weltreligionen dem Wasser eine herausragende Funktion zu – voller Metaphern, voller Rituale, voller Kraft und Herrlichkeit.

Der feuchte Partner des Feuers, der Erde und der Luft lässt Raum. Wenn man ihn denn sucht. Ansonsten ist Wasser eben doch nur jenes durchsichtige Dingsda, mit dem man seinen Durst löscht oder den Wagen wäscht. Verdient hat jenes himmlische H2O mehr. Mindestens Beachtung.

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