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einwort ist das Magazin der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop. Für jede Ausgabe wählen wir ein Wort, dessen Breite und Länge und Tiefe und Höhe wir ausloten. Wir glauben, dass ein Wort die Seele gesund machen kann. Auf der Suche nach den richtigen Wörtern erzählt einwort von Gott und der Welt. Denn am Anfang von allem war das Wort, und das Wort war bei Gott.

Wer fastet, der kostet

von Ev. Kirchengemeinde Bottrop

Eine Fastenkur ist keine Diät. Trotzdem isst man weniger und vor allem bedachter. Und dann räumt das Fasten auf – im Kopf und im Körper. Egal in welcher Religion.

Am bekanntesten ist das Heilfasten nach Otto Buchinger, der 1920 die erste Heilfastenklinik in Deutschland eröffnete. Er litt unter schwerem Gelenkrheuma und fand schließlich Linderung in einer reinen Trinkkur auf der Basis von Gemüsebrühe, Säften und Tee

Eine Handvoll Gummibärchen. Fernsehen bis nach Mitternacht. Ein drittes Glas Wein. Das Smartphone immer in der Hand. Die Tüte Chips zum Ausklang. Wir kommen an alles und wir haben alles. Immer. So luxuriös dieser Zustand ist, so maßlos ist er auch.

Wir konsumieren bis zum Anschlag, aber wir reflektieren nicht mehr. Zumindest nicht im Alltag. Und natürlich ist dies nur die eine Seite der Konsummedaille. Die andere ist bedacht, sorgt sich um Leib und Seele und folgt dem Gedanken Man ist, was man isst. Oder auch nicht isst, denn mitunter tut es dem Körper durchaus gut, mal keine feste Nahrung zu verarbeiten. Am besten direkt für eine Woche. Oder wie wäre es mit 40 Tagen? „In der Aktion 7-Wochen-Ohne geht es in der Passionszeit darum, bewusst zu leben und sich klar zu werden, wo sich Konsum-Gewohnheiten eingeschlichen haben. Es geht also um den bewussten Umgang mit sich selbst,“ sagt sagt Pfarrerin Doris Sturm aus den Gemeindebezirken Eigen und Boy. 7 freiwillige Wochen, in denen man bewusster isst, sich Zeit für Entscheidungen lässt, nicht so schnell auf die Palme geht und damit eine Zeit, die Raum in sich schafft. Statt Chaos und Konsum, Stille und Klarheit. Beste Voraussetzungen für den „Kontakt zu Gott, der braucht nämlich Raum“ ergänzt Sturm.

Und: In der Fastenzeit kommt nicht nur die Nahrung zu kurz, auch der Terminkalender sollte nicht ganz so straff gefüllt sein. Wer ständig von innen und von außen abgelenkt wird, hat tatsächlich keine Muße, sich mit Gott auseinander zu setzen.

Die Medizin des Fastens

Rheuma, Diabetes und Gicht. Entzündungserkrankungen, von denen die Medizin heute weiß, dass die Symptome durch eine kalorienreduzierte Ernährung verringert werden können. Hier ist das Heilfasten so naheliegend, weil es über die Gesundheits-Prophylaxe hinaus ganz handfest am Wohlbefinden arbeitet. Tatsächlich gibt es zig Fastenkuren – zwischen einem herzhaften Süppchen und einem schlichten Glas Wasser. Letztere ist ziemlich out.

Auch die Bottroper Heilpraktikerin Sabine Dornieden bietet vor Ort Kurse zum Heilfasten an und ist jedes Mal von der besonderen Wirkung des Verzichtens begeistert: „Wenn die innere Bereitschaft zum Fasten fest steht, sorgt der Mangel an fester Nahrung sogar eher für ein Glücksgefühl als für schlechte Laune.“

Die Heilpraktikerin Sabine Dornieden bietet vor Ort Kurse zum Heilfasten an.

Kein Wunder, schüttet der Körper doch jede Menge die Stimmung positiv beeinflussende Botenstoffe aus: Endorphine, Serotonin und Dopamin. Sogar die Nervenzellen werden neuverschaltet. Forscher gehen davon aus, dass sich der Betroffene bei akuter Nahrungsmittelknappheit so positiv gestimmt auf die Suche nach Essbarem macht, anstatt schmollend in der Ecke zu sitzen und zu verhungern. Das ist – bei Hunger – doch mal eine gute Laune der Natur.

Egal ob die Fastenkur religiösen Motiven folgt oder die Gesundheit fokussiert: Dem Fasten sind hier wie dort viele Eigenschaften gemein: Wer fastet, reduziert sich ganz bewusst und konzentriert sich wieder darauf, was er wann in welcher Menge isst.

Es ist auch eine Übung in Selbstdisziplin, die nicht nur mit Stolz belohnt wird, sondern auch mit einem besseren Körpergefühl. Und: Wer fastet macht eine Reise zu den eigenen Sinnen. Wie schön, dass die Besinnlichkeit die Sinne fest im Begriff verankert hat. Übrigens ändert sich auch der Geschmackssinn. Wer einen Monat keine Süßigkeiten zu sich nimmt, dessen Geschmackknospen explodieren beim ersten Bonbon danach. Und wie das bei Explosionen so ist: Der Effekt ist eher zerstörerisch als positiv. Die hochgezüchtete Süße schmeckt dann scharf oder sogar bitter. Freilich: Der Effekt hält nicht lange an.

Trainiere ich also fleißig die Zunge mit Nuss-Nougat-Creme, bin ich geschmacklich bald wieder da, wo ich vor der Kur war. Mit feiner Geschmackssensibilität hat das dann nichts mehr zu tun. Auch Sabine Dornieden kennt diesen Effekt: „Beim einwöchigen Heilfasten enden wir häufig mit dem ersten Biss seit einer Woche in einen Apfel. Die Patienten wundern sich jedes Mal, wie herausragend ein ganz normaler Apfel schmecken kann. Für die einen ist er plötzlich unglaublich süß, für die anderen wahnsinnig sauer. Es kommen sogar Kindheitserinnerungen hoch, vom Apfel aus Omas Garten“.

Wer fastet, dem schmeckt anschließend vieles besser. Ob nach Ostern oder der Adventszeit oder zwischendurch – wann immer der Geschmack, Appetit auf einen Neustart hat. Wer fastet, der kostet einfach genussvoller.

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