Muttertag

Zur Erinnerung - Ein Beitrag aus dem Gemeindebrief 2 / 2021

9. Mai: Muttertag – unter anderem auch ein Tag der Blumengeschäfte

Der Muttertag ist ein Feiertag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Er hat sich seit dem 20. Jahrhundert in der westlichen Welt etabliert.

Seinen Ursprung hat der Tag in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung 1865 bzw. 1870, die das Ziel hatte, ihre Söhne nicht mehr in Kriegen zu opfern. In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 durch den „Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber“ mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert.

Ab 1926 wurde die Werbung des Muttertages an die Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung übertragen, um „Kirche und Schule“ zu gewinnen. Ein Jahr danach, am 7. Mai 1927, nahm sich die katholisch beeinflusste „Dorstener Volkszeitung“ im Lokalteil des Muttertags an und veröffentlichte einen Appell für die „deutsche Mutter“:

„Eine alte nordische Sitte kam zu uns und errang sich in den letzten Jahren mehr und mehr Anerkennung. Das ist der Ehrentag der Mutter am 2. Maisonntag. Der Gedanke, einer besonderen Mutterehrung ist schon sehr alt, und man kann fast sagen, die Achtung, die man der Frau, der Mutter in einem Volke zollt, ist ein Gradmesser seiner Kultur. Ein Anzeichen von Gesundung des seelischen gegenüber dem seelenmordenden Sinnentaumel der Nachkriegsjahre in Deutschland ist die Besinnung auf eines der reichsten und höchsten deutschen Ideale: die deutsche Frau, die deutsche Mutter.

In der weiblichen Jugend regt sich langsam wieder ein Sehnen heraus aus der Leere gegenwärtigen Lebens, der Wunsch, deutsche Mutter zu sein. Ja, die Seele des jungen Mannes erwächst langsam wieder ein leuchtendes Bild der deutschen Mutter. Aber nicht nur die politisch nationalen Kreise – unser ganzes Volk soll von dem hohen Gedanken erfasst werden. Jeder hat eine Mutter! – Das spielende Kind, die wild durchs Leben stürmende Jugend, und auch ihr, die ihr selbst Väter oder Mütter seid! Ehret die Mutter am Muttertag, seid um sie, gebt ihr Gaben kindlicher Liebe. Legt Blumen auf ihren Hügel, wenn sie schon ausruht im letzten Schlaf. Dankt mit Gaben der Liebe der armen, kranken und kinderreichen Mütter! Werbt überall dafür, dass am zweiten Maisonntag der deutsche Muttertag gefeiert wird.“

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Feier des Muttertags mit der Idee der „germanischen Herrenrasse“ verknüpft. Gebärfreudige Mütter wurden als Heldinnen am Volk zelebriert, da sie den arischen Nachwuchs förderten. 1933 beging man den Muttertag als offiziellen Feiertag und erstmals am 3. Maisonntag 1934 als „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ mit der Einführung des Mütterdienstes. Die religiös anmutenden Feierlichkeiten („Mütterweihen“) wurden in Konkurrenz zu christlichen Feiern auf sonntags 10 Uhr angesetzt. 1938 wurde zusätzlich das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter eingeführt, das am Muttertag (21. Mai 1939) erstmals verliehen wurde.

Wolf Stegemann

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