einwort

einwort ist das Magazin der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop. Für jede Ausgabe wählen wir ein Wort, dessen Breite und Länge und Tiefe und Höhe wir ausloten. Wir glauben, dass ein Wort die Seele gesund machen kann. Auf der Suche nach den richtigen Wörtern erzählt einwort von Gott und der Welt. Denn am Anfang von allem war das Wort, und das Wort war bei Gott.

Appetithäppchen

von Ev. Kirchengemeinde Bottrop

Kommse anne Bude?

Eine gemischte Tüte hat sich fast jedes Kind im Ruhrgebiet schon einmal gekauft. Dafür gibt es ja die Trinkhalle, die nur ein paar Minuten Fußweg von der Wohnung entfernt ist. Ursprünglich gab es hier aber keine Süßigkeiten. Die ersten Trinkhallen errichteten Mineralwasseranbieter Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu kaufen gab es tatsächlich nur Wasser. Daher auch: Trinkhalle. In erster Linie sollten dort die Malocher im Umkreis ihren Durst nicht mit Bier und Branntwein löschen, sondern völlig alkoholfrei auf Wasserbasis. Um die Jahrhundertwende boten die Trinkhallen bereits weitere Getränke und Tabakwaren an. Bald kamen kleine Speisen und einige Zeitschriften hinzu, irgendwann auch Alkohol. Die Trinkhalle wurde nach und nach zum Kleinstgeschäft für alle Dinge des täglichen Bedarfs und zum sozialen Treffpunkt in der Nachbarschaft. Doch auch wenn heute Supermärkte und Tankstellen lange geöffnet haben: die Bude ist einfach Kult. Denn woher sonst sollte das Kind sein Mini-Milk, Brauner-Bär- oder Kaktus-Eis bekommen?

42

Stellt jemand im Verlauf eines Gesprächs die Frage: „Warum?“, folgt mitunter die scherzhafte Antwort „42.“ Aber warum? Ihren Ursprung hat diese skurrile Antwort in dem Science-Fiction-Roman Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams. In diesem baut eine außerirdische Kultur den Computer Deep Thought, dessen einzige Aufgabe es ist, die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest zu beantworten. Findige Leser werden bemerken, dass hier eines fehlt: die Frage selbst. Um diese zu formulieren, entwarf Deep Thought einen planetengroßen Rechner, der so komplex ist, dass sogar das organische Leben auf ihm einen Teil der Arbeitsmatrix darstellt. Dieser Computer ist der Planet Erde. Leider kann er die ihm gestellte Aufgabe nicht abschließen, da er wenige Minuten vor Ablauf des Programms gesprengt wird, um einer Hyperraum- Umgehungsstraße zu weichen. Schade, aber was soll man machen? Wer ganz sichergehen will, fragt aber einfach mal Google nach the answer to life the universe and everything und findet die richtige Antwort selbst heraus. Summa summarum: 42 ist eine Kult-Antwort für Kenner der Materie. Für alle anderen ist es nur eine Zahl.

It’s just a jump to the left

Denkt man an Kult, denkt man auch an Kult-Filme. Genauer: Es entwickeln sich zum Teil abstruse Verehrungsrituale um einzelne Kino- oder TV-Filme. Quer durch die Gesellschaftsschichten und wild miteinander vermengt. Blues Brothers, Star Trek, Pulp Fiction – Filme, die aus dem Kanon des cineastischen Lexikons herausragen, weil ihnen eine kaum erklärbare Verehrung zuteil wird. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Rocky Horror Picture Show. Während der Film läuft singen und tanzen die Zuschauer im Kino, werfen mit Reis und Toastbrot um sich oder halten sich eine Zeitung über den Kopf. Klingt komisch, sieht auch so aus, macht aber Spaß. Besonders sind auch die eigenwilligen Sprachen, die für manche Filme und/oder Romane entwickelt werden. Seien es die Sprachen der Elben Quenya und Sindarin aus J. R. R. Tolkiens Herr-der-Ringe-Saga, das Klingonisch aus Star Trek II oder auch das Neusprech aus George Orwells Dystopie 1984. Die Liste lässt sich großzügig fortsetzen. Zum Teil hochkomplexe Sprachkonstruktionen mit ausgeprägten Grammatiken, Lautformungen und Schriftbildern.

Google-Doodle

Google ist Kult und hat es inzwischen sogar als Verbform in den Duden geschafft. Und auch innerhalb von Google gibt es einen weiteren kleinen Kult: die Google-Doodles. An Feiertagen, besonderen Ereignissen und manchmal anscheinend einfach nur so ändert sich das Logo der Suchmaschine für einen Tag. Bereits 1998 stand hinter dem zweiten o ein Strichmännchen, um den Besuchern zu zeigen, dass sich die Entwickler auf dem Burning Man Festival befanden. Am 4. Januar 2010 war das Doodle zum ersten Mal animiert: an Isaac Newtons Geburtstag fiel ein Apfel von einem über den Google-Schriftzug hängenden Ast. Inzwischen gibt es über 2.000 Doodles für Anlässe aus aller Welt, einige davon sogar als Minispiel. Wer sie alle sehen möchte, der klickt einfach auf der Google-Seite bei leerem Eingabefeld auf Auf gut Glück!

Always look on the bright side of life

Wenn ein Kult in einer Kirchenzeitung nicht fehlen darf, dann ist es wohl der Kultfilm Das Leben des Brian. In dieser britischen Satire von 1979 wird ein Junge namens Brian zur selben Zeit wie Jesus geboren und durch Missverständnisse gegen seinen Willen als Messias verehrt. Anfänglich wurde der Film sehr kritisch betrachtet, und auch wenn inzwischen der Vorwurf der Blasphemie entkräftet ist, besteht laut FSK noch immer keine Feiertagsfreigabe. Das führte bei der Initiative Religionsfreiheit im Revier zu einer Geldstrafe, da ein Mitglied seit 2013 jeweils am Karfreitag eine öffentliche Aufführung des Films in Bochum organisiert. Die Passion Christi wäre hingegen wegen ihrer Ernsthaftigkeit an diesem Tag erlaubt. Aber was schrieb Rob Thomas 2004 in der Capital Times über Das Leben des Brian: „Genau das, was The Passion of the Christ fehlte: Mehr Gesangs- und Tanznummern.“

Kult ist Pop

Eigentlich ist der vom lateinischen „cultus“ entlehnte Begriff „Kult“ klar definiert und beschreibt die nach festen Riten geregelte Verehrung einer Person bzw. einer Gottheit oder die übertriebene Verehrung einer Person bzw. die übertriebene Pflege einer Sache. Dass der Kultusminister sich der Vokabel bedient, kann noch einleuchten. Gibt man „kult“ jedoch in die Suchmaschine ein, folgen 5 Millionen Treffer wie die Komposita Kult-Trainer, das Kult-Comeback, die Kult-Sendung, die Kult-App, der Kult-Händler und der Kult-Spiralschneider. Nichts ist vor dem Kult sicher, weil er offenbar Frische, Dynamik, Moderne und hippen Zeitgeist subsumiert. Auch der von Hape Kerkeling gespielte Horst Schlemmer ist Kult, strahlen seine geschmatzten Worte wie „Schätzelein“, „Isch hab Kreislauf“ und „Weißte“ doch längst in die Alltagssprache hinein. Man sieht: Kult kann fast alles sein, weißte?

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