einwort

einwort ist das Magazin der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop. Für jede Ausgabe wählen wir ein Wort, dessen Breite und Länge und Tiefe und Höhe wir ausloten. Wir glauben, dass ein Wort die Seele gesund machen kann. Auf der Suche nach den richtigen Wörtern erzählt einwort von Gott und der Welt. Denn am Anfang von allem war das Wort, und das Wort war bei Gott.

Berufs-Porträts

von Ev. Kirchengemeinde Bottrop

Der Bienenmann

Joachim Gutsche: Die Biene ist für mich zu einem echten, christlichen Symbol geworden.

Joachim Gutsche
Die Arbeit des Imkers findet immer draußen in der Natur statt und hat einiges mit handwerklichem Geschick zu tun. Schließlich warten Imker ihre Bienenstöcke auch – manche bauen sie sogar komplett selbst.

Natürlich braucht man als Imker ein gutes Gespür für die Biene, die sehr sensibel auf Umwelteinflüsse, aber auch auf die Stimmung des Imkers reagiert. Und sollte die Biene unerwartet stechen, muss man vielleicht auch davon ausgehen, selbst einen Fehler gemacht zu haben!

Imkern faszinierte mich schon in der Kindheit. Die Tätigkeit hatte immer einen meditativen Charakter für mich. Aber erst zwei gesundheitliche Schicksalsschläge sorgten dafür, dass ich all meine Träume dann mit Nachdruck auch wirklich umsetzen wollte. Innerhalb eines Jahres erlitt ich einen komplizierten Beinbruch und anschließend einen Schlaganfall. Die Behandlung meines durch eine Wundheilungsstörung stark entzündeten Beins mit neuseeländischem Honig war dann der endgültige Ausschlag, es mit der Imkerei zu versuchen.

Es ist durchaus ein sehr unmittelbarer Akt, der Biene umgekehrt etwas Gutes zurückzugeben. Alles was dann im Rahmen des Imkerhandwerks passierte, war und ist im Grunde gelebte Therapie. Und damit ist das Thema Arbeiten für mich weniger die klassische zeitfressende Maschine im Alltag, sondern die Therapie an sich.

Und nicht zuletzt habe ich als Sprecher der Grünen in Bottrop eine klare Aufgabe, die Schöpfung zu bewahren. Alles in eine gewisse Harmonie zu bringen ist für mich als gelernter Musiker ebenfalls ein wichtiger Punkt.

Darum ist es von meiner Seite her kein weiter Weg von Johann Sebastian Bach über das Handeln zur Natur und damit auch zur Biene. Außerdem bin ich nach wie vor berührt, wenn ich die Vorgänge in der Natur so nah beobachten darf. Und wenn ich all die Dinge zusammenziehe, ist die Biene für mich zu einem echten, christlichen Symbol geworden.

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Der Kindermann

Bernd Okunneck: In der Berufsschule waren wir Männer nicht gerade in der Überzahl.

Bernd Okunneck
Erzieher trinken den lieben langen Tag Kaffee und spielen mit den Kindern. So die landläufige Meinung. Wer uns aber im Alltag mal ernsthaft begleitet, dem offenbart sich ein etwas anderes Bild.

Es ist ein aufreibender Beruf, nicht nur auf die Kinder aufzupassen, sondern sie auch auf vielen Ebenen zu beobachten, so individuell und optimal wie möglich zu fördern und damit ein Angebot zur Verfügung zu stellen, das nur kinderleicht aussieht und doch jedem Kind auf seine Weise in der Entwicklung hilft.

Die Ausbildung zum Erzieher habe ich erst mit 30 begonnen. Davor war ich Lagerarbeiter. Das war wirklich ein Job – keine Berufung. Als das Lager dann geschlossen wurde, war das die Chance, einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen.

Noch in meinen Lagerjahren habe ich Ferienfreizeiten begleitet und bereits gemerkt, dass mir die Arbeit mit Kindern mehr Spaß macht und um einiges erfüllender ist als die Arbeit im Lager. Also habe ich mich umschulen lassen.

Wie man sich sicher vorstellen kann, waren wir Männer in der Berufsschule nicht gerade in der Überzahl. So ist das auch hier im Kindergarten. Ich bin zwar nicht der einzige Mann hier, aber letztlich sind wir Männer in der Kindergartenwelt Minderheiten.

Das ändert übrigens nichts daran, dass die Atmosphäre im Team super ist. Egal wie: Es ist ein anstrengender Beruf, in dem wir neben dem Tagewerk einmal pro Jahr auch die Sprachstandserhebung dokumentieren müssen. Dazu kommt im Halbjahres-Rhythmus ein Entwicklungsbogen für jedes Kind. Natürlich ist der Kindergarten ein fröhlicher und bunter Ort, voller Leben. Doch gerade der absolut unvermeidbare und für die Kinder gesunde Lärm ist ein permanenter Stressfaktor für alle Kollegen. Dauerhaft hohe Lautstärken sind immer und überall problematisch. Dafür muss man einen guten Ausgleich finden – ich gehe zum Beispiel Kanu fahren. Das ist körperlich so richtig schön anstrengend, aber es gibt mir die innere Ruhe und Ausgeglichenheit zurück, die für diesen Job nötig ist.

Die Fahrzeugfrau

Vivian Gadau: Meine Arbeit ist also mehr als schnödes Zeitverbringen. Es ist mein Zuhause.

Vivian Gadau
Ich bin jetzt 24 Jahre alt, mache gerade eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin und schreibe parallel dazu noch meine Abiprüfung im dualen Abendschul-Ausbildungsgang Systemtechnik. Danach habe ich drei Ausbildungen, einen Ausbilderschein und mein Abitur. Meine erste Metallbauausbildung habe ich mit 18 angefangen. Mit 19 habe ich dann bereits eine Gruppe mit 45-jährigen Arbeitssuchenden geleitet. Ich konnte mich zwar durchsetzen, aber das war schon eine Herausforderung. So fing meine Arbeitszeit an.

Ich komme gebürtig aus Sardinien und zeichne, seit ich ein Kind bin. Ich hatte in der Realschule auch Kunst als Hauptfach und lerne nun seit 1,5 Jahren tätowieren. So schließt sich der kreative Kreis. Das ist die private Vivian. Die Mechatronikerin will nach ihrer Ausbildung erst mal auf Teilzeit hier im Autohaus Verstege und Lux in Kirchhellen bleiben und die restliche Zeit dann tätowieren. Ich kann nicht nur eine Sache machen, das langweilt mich zu schnell. Aber den Betrieb kann ich auch nicht verlassen. Jeder Mitarbeiterwechsel bricht mir das Herz, da kann ich es doch nicht übers Herz bringen zu gehen. Never.

Meine Arbeit ist also mehr als schnödes Zeit verbringen. Es ist mein Zuhause. Ich bin richtig gerne hier und komme sogar im Urlaub in den Betrieb. Egal was ist, ich bin für meine Arbeit immer erreichbar. Wer soll den Kollegen sonst einen Kuchen backen, wenn sie Geburtstag haben? Seitdem ich hier bin, kriegt jeder zum Geburtstag einen Kuchen. Auch das ist Arbeit für mich: Gemeinschaft. Manchmal werfen meine Freunde Fragen auf wie „Wenn es einen Gott geben würde, warum passieren dann so schlimme Dinge?“ Ich antworte dann: Weil viele einfach Idioten sind. Der hat uns so viel geschenkt und die Idioten machen es kaputt. Auch deshalb habe ich mir ein Zitat vom schwarzen Rapper 2Pac aufs Bein tätowieren lassen: „Solange ich bei den Taten, die ich begehe, ein reines Gewissen habe, komme ich in den Himmel.“ Und das gilt für mein Arbeitsleben wie für mein Privatleben gleichermaßen.

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Der Warenlagermann

Christoph Lobeck: Meine Arbeit gefällt mir sehr.

Christoph Lobeck
Ich bin im Lager tätig und fahre dort Gabelstapler und Elektroameisen, belade Lkw oder kümmere mich um den internen Warentransport. Was ich verräume, gebe ich am Computer ein, damit es später auch wiedergefunden werden kann.

Ich arbeite schon seit fast 30 Jahren in der Rheinbabenwerkstatt. Zuerst habe ich allerdings in einer anderen Gruppe gearbeitet, in der wir unter anderem Tulpen und Gesellschaftsspiele wie Mensch-Ärger-Dich-Nicht aus Holz hergestellt haben.

Als dann das Lager entstand, wurden wir gefragt, wer Interesse hätte, dorthin zu wechseln. Hier habe ich dann vor 18 Jahren auch meinen Gabelstaplerführerschein gemacht.

Der Gabelstapler, den ich hier bediene, darf 2,5 Tonnen heben und reicht bis in eine Höhe von 5,80 Meter. Ich dürfte aber auch Stapler bedienen, die 10 Tonnen heben dürfen, weil mein Führerschein keine Begrenzung hat. Aber auch die Elektroameisen können dabei helfen, schwere Lasten zu transportieren und anzuheben.

Gerade wenn es um das Ausladen eines Lkw geht, ist die Ameise auch wirklich praktischer als der Gabelstapler. Manchmal kommt es auch vor, dass Waren gezählt werden müssen. Oft wissen wir allerdings gar nicht, was wir verräumen, da die Waren blickdicht verpackt wurden. Meine Arbeit gefällt mir sehr, und auch in meiner Freizeit schrecke ich vor Anstrengungen nicht zurück. Seit meiner Jugend bin ich Mitglied der freiwilligen Feuerwehr, bei der ich wöchentliche Übungen habe und für die ich bei Einsätzen natürlich von der Arbeit freigestellt werde. Einmal in der Woche gehe ich schwimmen, wobei ich am liebsten tauche. Wenn ich irgendwo hin will, fahre ich mit dem Fahrrad, und ich habe auch ein Tandem, auf dem ich gerne mit meiner Freundin Ausflüge unternehme.

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Redaktion:
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