Sonntagsgedanken

Sie können hier die Sonntagsgedanken nachlesen,
die wir für die Dorstener Zeitung verfasst haben:

Feb. 2020 - Die Bibel ist an seiner Seite
01.02.2020

Der heutige 1. Februar wird auch "Robinson-Crusoe-Tag" genannt. Erinnern Sie sich noch an diese abenteuerliche Geschichte?

Daniel Defoe erzählte in seinem Roman, der auf einer wahren Begebenheit beruht, von dem Seemann Robinson. Nach einem Schiffbruch muss er 28 Jahre auf einer kleinen Insel verbringen, bevor er gerettet wird.

Woher hat Robinson die Kraft bekommen, diese Jahre zu durchstehen?

Im Roman ist die Bibel an seiner Seite. Die findet er im Schiffswrack. Er liest jeden Tag. Auf die Idee wäre er früher gar nicht gekommen. Aber jetzt nimmt er sich die Freiheit. Und da ist dann der eine Vers, der ihn besonders ansprechen wird, wo es heißt: "Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht." So spricht Gott im Buch Josua. Im ersten Kapitel. Ein starkes Wort. Wie viele haben das schon erlebt. Sie werden eines Tages fallen gelassen. Wie eine heiße Kartoffel. In der Schule. Im Beruf. Im Freundeskreis.

So ist die Welt, sagen manche Menschen. So ist Gott nicht, sagt die Bibel.

Wir sind ihm so viel wert, dass er uns unter keinen Umständen im Stich lässt. Gerade auch dann nicht, wenn wir Schiffbruch erleiden.

In diesem Sinne Ihnen ein abenteuerliches Leben mit diesem Vers - nicht nur am "Robinson-Crusoe-Tag".

Pfr. Matthias Overath, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen

 

Dez. 2019 - Zwischen den Jahren
29.12.2019

Mit dem Ausdruck „Zwischen den Jahren“ bezeichnete man früher einen nicht ganz klar umrissenen Zeitraum zwischen dem 21.12. bzw. Weihnachten und Sylvester bzw. dem 6. Januar. In Zeiten, wo das Jahresende noch nicht einheitlich nach dem Sonnenkalender festgelegt war, gab es tatsächlich einige Tage, die zeitlich nicht ganz eindeutig zuzuordnen waren.

Oft war dieser Zeitraum noch verbunden mit allerlei abergläubischen Bräuchen. Für die sogenannten „Rauhnächte“ gab es die Vorstellung, dass in dieser Zeit die Grenze zwischen der Wirklichkeit und einer jenseitigen Welt verstorbener Seelen und Geister durchlässiger sei und deshalb besondere Gefahren zu befürchten wären. Z.B. wurde gesagt, dass man an diesen Tagen keine weiße Wäsche auf die Leine hängen durfte – kennen Sie diese Warnung auch noch?

Nun leben wir im Zeitalter des Wäschetrockners, so dass sich das Problem der Wäsche auf der Leine für die meisten gar nicht mehr stellt. Und auch sonst unterliegen wir – Gott sei Dank – in der Regel nicht mehr der Furcht vor solchen abergläubischen Ideen.

Trotzdem lösen die Tage nach Weihnachten auch in unserer Gegenwart bei vielen Menschen noch ein besonderes Zeitgefühl aus. In vielen Betrieben ruht noch die Arbeit, die Tage sind kurz und dunkel, man hält sich mehr zu Hause auf. In den Jahresrückblicken ziehen noch einmal Ereignisse des auslaufenden Jahres vorbei, mit manchen Abschieden und kleinen und großen Unglücken. Prognosen für das nächste Jahr werden angeboten, die möglichen Krisen und Katastrophen des kommenden Jahres beschrieben. Und mittendrin unser eigenes Leben mit seinen vergangenen und denkbaren zukünftigen Ereignissen und Schicksalsschlägen.

„Zwischen den Jahren“ – es tut gut, sich in diesen ‚rauhen’ Tagen erst recht der biblischen Zusage zu vergewissern: Unsere Zeit steht in Gottes Händen! Egal, wie klar oder unklar uns Vergangenes, Zukünftiges oder sogar unsere Gegenwart erscheinen mag, ist unser Leben bei ihm gut aufgehoben. Diese Zuversicht zwischen den Jahren wünscht allen Lesern der Dorstener Zeitung

Pfr. Dr. Andreas Deppermann, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen
Dez. 2019 - 50 Jahre Schatz im Silbersee
14.12.2019

Heute auf den Tag vor 50 Jahren: Der Film „Der Schatz im Silbersee“ wird uraufgeführt.

Die Warteschlangen vor den Kinos sind lang. Der erste Karl-May-Film, der im „Wilden Westen“ spielt, wird ein großer Erfolg. In der Geschichte jagen alle Beteiligten – übrigens ohne Laserschwert - einem Schatz hinterher. Ganz zum Schluss des Filmes ist der silberne Schatz zu sehen. Zum Greifen nah. Doch dann versinkt er unwiederbringlich im Moor.

So ist das doch wohl mit allen Schätzen. Früher oder später versinken sie unwiederbringlich. Aber dann singen wir in den Kirchen in der Adventszeit noch ein anderes Lied. Es heißt: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Da heißt es ganz zum Schluss: „Wie bin ich doch so herzlich froh, dass mein Schatz ist das A und O, der Anfang und das Ende.“

Da ist von dem einen Schatz, von Jesus Christus, die Rede, der nicht versinkt. Der nicht abhaut. Der bleibt. Der Türen öffnet. Der Licht und Frieden bringt. Allen.

Eine gute Schatz-Suche zum dritten Advent wünscht Ihnen

Pfr. Matthias Overath, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen
Aug. 2019 - Suche Frieden und jage ihm nach
11.08.2019

Liebe Leserinnen und Leser, der heutige Tag ist in besonderer Weise mit dem Frieden verbunden. Es gibt viel zu wenig Tage, die mit dem Frieden verbunden sind. Aber heute ist so ein Tag. Vor genau 300 Jahren unterschrieb Kurfürst Georg I. in Herrenhausen den sogenannten Frieden von Stockholm, Die Ausfertigung erfolgte auf Papier mit Unterschrift und Lacksiegel auf schwarzen Schnüren. So vermerken es die Geschichtsbücher. Ein Krieg mit vielen Beteiligten und vielen Toten ging zu Ende. An diesem besonderen Tag: Mit wem wollen Sie persönlich heute Frieden schließen?

Es würde mich wundern, wenn Ihnen da nicht sofort Menschen einfallen, mit denen Sie Frieden schließen könnten. Vielleicht wäre es auch an der Zeit, mit sich selbst Frieden zu schließen oder mit Gott?

Was bei Ihnen auch dran sein sollte: Wenn Sie mögen, dann folgen Sie dem Beispiel des Kurfürsten. Nehmen Sie Papier oder Handy zur Hand und schreiben Sie, damit Frieden wird. Das ist ja unser Auftrag aus der Bibel, der Herzenswunsch Gottes an Dich und mich aus Psalm 34,15: "Suche Frieden und jage ihm nach".

Ein schönes, friedliches Wochenende!

Pfr. Matthias Overath, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen
Feb. 2019 - Wolle mer en eroilosse?
24.02.2019

„Drauße steht er“, ruft der Sitzungspräsident in der Karnevalszeit aus dem Fernsehapparat. „Wolle mer en eroilosse?“ – „Eroi mit em!“ schallt es dann im Saal.

Ja, herein mit ihm! Dem Humor! Ich denke, wir haben ihn gerade bitter nötig. Wir brauchen etwas anderes als immer mehr Hass und Verbitterung im täglichen Leben.
Da kommt Humor gerade recht. Denn Humor wendet sich gegen Hass und Verbitterung. Humor macht frei. Humor hilft, die Dinge mal von einer anderen Seite zu sehen und anzugehen.

Gott selbst macht es uns vor. So steht es im zweiten Psalm der Bibel: „Warum toben die Völker und murren die Nationen so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf wider Gott und seinen Gesalbten. Aber der im Himmel wohnt, lachet über sie.“

Gott lacht über die Pläne derjenigen, die sich selber für Götter halten. Die nur ihr Ego groß machen und nicht den Armen und Benachteiligten dienen. Über die lacht Gott. Und dann zeigt er auf die Nächstenliebe. Und gegen die haben Hass und Verbitterung keine Chance.

Sein Lachen macht fröhlich und gelassen. Aber Humor ergibt sich nicht von allein. Man muss ihn schon wollen. Deshalb fragt der Sitzungspräsident bald wieder: „Wolle mer en eroilosse?“

Tja, wollen wir ihn reinlassen, den Humor?

Ein schönes Wochenende

Pfr. Matthias Overath, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen

 

Dez. 2018 - Freude!
23.12.2018

Eine Aufforderung zur Freude steht als biblischer Leitspruch über dem 4. Advent: „Freut euch in dem Herrn zu jeder Zeit, und abermals sage ich euch: Freut euch! Der Herr ist nahe!“ (Philipper 4,4+5). Wie steht es mit der Freude in unserem Leben?

Die Weihnachtszeit hält ja für viele Menschen besondere Anlässe zur Freude bereit: Glänzende festliche Momente und kulinarische Genüsse, Zeit der Begegnung und des Zusammenseins mit lieben Menschen aus Familie und Freundeskreis, überraschende Geschenke und die Erfüllung langgehegter Wünsche, nicht zuletzt auch: selber schenken können und anderen Freude bereiten. Wie schön und kostbar, wenn man davon etwas erleben und sich daran freuen kann.

Trotzdem ist solche Freude häufig nicht ungetrübt, weil vielleicht der Schatten einer Sorge, einer Not, eines Streites, einer Trauer oder einer Krankheit darauf fällt. In besonders schwierigen Lebensumständen kann davon sogar die Freude ganz verdeckt sein.

Der biblische Aufruf zur Freude hat aber einen noch ganz anderen Grund als die möglichen Anlässe zur Freude in der Weihnachtszeit. Dieser Grund zur Freude trägt auch dann, wenn alles schief gehen sollte, wenn das Essen anbrennt oder völlig ausfällt, wenn Begegnungen in Streit münden, Geschenke ausbleiben, die Stimmung im Keller ist. Grund zur Freude haben wir „in dem Herrn“: Weil Gott uns unfassbar nah kommt, weil mit der Geburt von Jesus das Licht der himmlischen Liebe in diese Welt gelangt ist und auch bis in den finstersten Winkel vordringt. Diese Freude kann durch nichts und niemanden geraubt werden.

Ein modernes Kirchenlied drückt das so aus: „Herr, du allein gibst mir Freude, die von innen kommt, Freude, die mir niemand nimmt. Herr, du machst mein Leben hell mit dem Licht deiner Liebe.“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen Festtage voller Freude!

Pfr. Dr. Andreas Deppermann, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen
Okt. 2018 - Vor 50 Jahren in Mexiko
27.10.2018

Heute auf den Tag vor 50 Jahren in Mexiko. Es ist der letzte Tag der Olympischen Sommerspiele.

Auf der Ergebnistafel im Stadion verschwindet der Schriftzug „Mexiko 68“ und zum ersten Mal leuchtet „München 72“ auf. Das olympische Feuer erlischt. Ein besonderes Feuer, das durch einem Fackel-Lauf von über 13.000 Kilometern von Griechenland nach Mexiko-City gebracht wurde.

Und dann ist es damals zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele geschehen, endlich, dass das Haupt-Feuer durch eine Frau entzündet wurde. Norma Sotelo heißt sie. Reporter fragten später: „Was haben sie gedacht und gefühlt, als sie in das vollbesetzte Stadion gelaufen sind.“

Sie antwortete: „Ich habe an ein Wort aus der Bibel, aus Psalm 27, gedacht: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“ Mir hat das Wort beim Lauf die Angst genommen.“

Ob das vielleicht ein Wort ist, das Ihnen auf dem Lauf durch das Leben auch gut tun könnte?

Pfr. Matthias Overath, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen
Aug. 2018 - Zur Quelle!
19.08.2018

Was für eine Affenhitze! So einen Sommer wie in diesem Jahr hat es schon lange nicht mehr gegeben. Wochen-, ja monatelang Sonne satt, strahlend blauer Himmel. Eigentlich wunderschön. Genau das, was sich viele Leute und besonders die Kinder jedes Jahr sehnlichst wünschen. Jetzt ist es da! Und erfrischende Getränke und kühle Bäder haben Hochkonjunktur.

Aber dieses Wetter hat auch eine unangenehme Kehrseite. Wenn es sehr heiß wird, kann das zu einer gesundheitlichen Belastung führen, besonders für kranke und ältere Menschen. Und vor allem: Die damit verbundene Trockenheit. Gartenbesitzer kommen mit dem Wässern nicht hinterher. Bäume werfen vorzeitig ihr Laub ab. Getreide und Feldfrüchte verkümmern, Ernten sind dürftig oder fallen ganz aus. Die Waldbrandgefahr steigt. Die Natur ächzt, viele Pflanzen und Tiere werden auf der Strecke bleiben.

Ich habe in diesen Tagen oft an die Jahreslosung denken müssen: Gott spricht: Ich will dem Durstigen gegen von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst (Offenbarung 21,6). Dieser Sommer führt uns drastisch vor Augen, wie sehr wir angewiesen sind auf Wasser, wie kostbar dieses lebenswichtige Element für alle Kreaturen ist. Das gilt aber nicht nur für den Körper, sondern auf andere Weise auch für Seele und Geist. Auch hier gibt es Zeiten der Trockenheit, in denen die Lebenskräfte austrocknen. Dann drohen Mangelerscheinungen. Dann gerät der Ertrag des Lebens in Gefahr. Dann wird der Lebensdurst zur Qual.

Die Jahreslosung erinnert uns daran: Gott allein kann unseren Durst nach Leben stillen, aus einer Quelle, die nie versiegt. Das ist uns verheißen am Ende der Zeit. Von diesem Lebenswasser bekommen wir auch schon jetzt zu kosten. Es strömt immer dann, wenn wir in die Beziehung mit Jesus Christus eintreten. Es reinigt in der Taufe unser Herz. Wir trinken es als Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Wir schmecken es in Brot und Wein beim Mahl des Herrn: Sein Leben - für mich gegeben. Das kostbare Lebenswasser gibt ER immer umsonst.

So kann die Affenhitze dieser Tage noch einen positiven Nebeneffekt haben: Dass sie uns zur Erinnerung an die Quelle des Lebens wird.

Pfr. Dr. Andreas Deppermann, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen
Feb. 2018 - Der König von Deutschland
12.02.2018

„Ich würd die Krone täglich wechseln, würde zweimal baden, die Lottozahlen eine Woche vorher sagen, ich würd jeden Tag im Jahr Geburtstag haben! Das alles und noch viel mehr würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär!“

Zugegeben, das Lied von Rio Reiser ist schon etwas in die Jahre bekommen. Aber ich musste daran denken, als ich vor ein paar Tagen im Kindergarten Königinnen und Prinzessinnen sah. Natürlich keine echten. Die Kinder hatten sich verkleidet.

„Was würdet ihr tun, wenn ihr König wärt“, habe ich sie gefragt. Die Antwort: „Süßigkeiten essen. Den ganzen Tag!“ Und was würden Sie tun, wenn Sie König oder Königin von Deutschland wären? Veränderungswünsche gibt es viele: Mehr soziale Gerechtigkeit, Menschen, die aufeinander achten, eine friedlichere Welt. Aber kann man das von oben durchsetzen? Dazu braucht es viele Menschen, die viele Schritte tun.

Und es braucht Vorbilder. Mir fällt eins ein. Auch ein König, aber ein ganz anderer. Einer, der im Stall zur Welt kam und auf einem Esel ritt und der vielen Menschen geholfen hat: Jesus. Ein König, der nicht von oben regiert, sondern sagt: „Ich bin bei euch!“

So einer tut gut - nicht nur in Deutschland.

Pfr. Matthias Overath, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen

 

Dez. 2017 - Advent, ER kommt!
03.12.2017

Neulich hat sich der Opa wieder zu Besuch angemeldet. Schon Tage vor seinem Eintreffen fangen die Vorbereitungen an. Das Wohnzimmer wird mal wieder gründlich aufgeräumt, der Flur geschmückt, das Gästebett in Schuss gebracht. Bilder werden von eifrigen Kinderhänden gemalt, Geschichten zum Vorlesen eingeübt, die wichtigsten Ereignisse der letzten Wochen noch einmal erzählfertig in Erinnerung gerufen – na klar: „Opa kommt!“

Ein aufgeregter Begrüßungstrupp macht sich auf den Weg zum Bahnhof. Fragen prasseln auf den Papa ein. „Auf welchem Bahnsteig kommt er an?“ - „Wo steigt der Opa aus?“ - „Von welcher Seite kommt denn der Zug?“ – „Wann trifft er endlich ein?“ Und dann, nach ungeduldigem Ausschauhalten, der freudige Ausruf: „Da kommt er. Ich seh’ ihn schon!“ Und bevor der Papa irgendetwas tun kann, stürzen sich die Kinder nach dem Anhalten des Zuges auch schon ins Getümmel der Fahrgäste, finden ihren Opa und fallen ihm um den Hals.

So eifrig und frohgemut geht es zu, wenn ein willkommener und lang ersehnter Gast seine Ankunft anmeldet. Ob auch Gott für uns ein so freudig erwarteter Besuch sein kann?

„Advent“ – das ist in unserer Zeit eher so etwas wie eine Umsatzsteigerungs-Jahresendralley geworden, bei der wir unserer Bürgerpflicht zum Konsum nachkommen sollen. Ursprünglich bedeutet „Advent“ aber „Ankunft“: Gott hat seinen Besuch angekündigt. Er ist in der Gestalt Jesu Christi auf dem Weg zu uns – in diese Welt und zu jedem von uns persönlich.

Advent kann die Zeit sein, wo wir uns vorbereiten auf sein Eintreffen. Gibt es etwas aufzuräumen oder zu schmücken in unserem Leben? Was werden wir ihm erzählen? Woran hat er Freude, was interessiert ihn? Welche Fragen sind noch zu klären? Wo und von welcher Seite erwarten wir ihn eigentlich?

Advent erinnert daran: Jesus kommt! Geben wir ihm doch die Gelegenheit, auch bei uns gut anzukommen!

Pfr. Dr. Andreas Deppermann, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen
Okt. 2017 - Kastanien sammeln
08.10.2017

Kastanien sammeln. Dass ist in diesen ersten Oktober-Tagen eine wunderbare Beschäftigung. Bei einem Fahrradausflug die Gegend rund um Dorsten erkunden. Und unter einem alten Baum eben diese Früchte sammeln. Kastanien. Genauer: Lepanto-Kastanien.

Nach dem Sammeln sitzen wir noch eine Weile unter dem Baum. Und staunen: Was für kräftige Äste. Welch unterschiedliche Farbtöne in den Blättern. Der starke Stamm, der sich auch in den Stürmen nicht so leicht umknicken lässt. Und der Halt findet durch unzählige Wurzeln, die Wasser und Kraft aus der Erde befördern.  Ich denke an ein Wort aus der Bibel, aus dem ersten Psalm: „Glücklich, wer Gottes Weisungen in sein Herz aufnimmt und über sie nachsinnt ... der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen.“

Worin bin ich eigentlich verwurzelt? Woher bekomme ich Kraft? Was gibt mir Halt?

Was den Stamm des Baumes stark macht, das ist die Lebenskraft aus der Tiefe und das Licht aus der Höhe. Ich denke, die Verwurzelung in Gott, das Geborgensein in seiner Liebe, die macht das Leben tragfähig. Gerade im Sturm des Lebens. Auch wenn wir einmal geknickt sind. Gottes Kraft richtet auf. Und hilft, dass wir uns entfalten können. Damit wir Frucht bringen. Vielleicht sieht die Frucht auf den ersten Blick stachelig aus. Aber innen drin ist sie bestimmt wunderschön. Wie eine Kastanie.

Pfr. Matthias Overath, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen
Juli 2017 - Einfach Frei!
16.07.2017

Ende des Schuljahres. Ferienzeit - endlich! Für alle Schüler in Dorsten gilt jetzt für sechseinhalb Wochen: Ich habe einfach frei. Kein Pauken, keine Verpflichtungen, keine Hausarbeiten, keine Klausurvorbereitung. Und auch für viele andere Menschen steht jetzt die Zeit des Urlaubs vor der Tür. Und das bedeutet auch für sie: Arbeitspause. Erholen, Loslassen, Durchatmen. Einfach frei sein – wie herrlich!

„Einfach frei“ – so hat die Evangelische Kirche in Westfalen ihre Kampagne zum Reformationsjubiläum betitelt. Nicht nur, weil in diesem Jahr der Reformationstag am 31. Oktober ein Feiertag ist und alle frei haben. Sondern vor allem, weil „Freiheit“ eines der Grundthemen der Reformation war. Denn Martin Luther entdeckte die „Freiheit eines Christenmenschen“, die in der Erlösung durch Jesus Christus begründet ist. Dazu gehört zum Beispiel die Freiheit von der Sorge um mein Leben und um das Heil meiner Seele, oder die Freiheit des Gewissens von allen falschen Bindungen. Das gibt es also auch im Glauben: Loslassen und Durchatmen, für Geist und Seele – einfach frei! Und zwar mit Langzeitwirkung, auch über begrenzte Ferientage hinaus.

Die Evangelischen Kirchengemeinden in Dorsten nehmen dieses Thema auf, indem sie zu einer „Expedition zur Freiheit“ einladen. Nach den Sommerferien wollen wir uns 40 Tage lang mit einem inspirierenden Buch, besonderen Gottesdiensten und offenen Gesprächsgruppen auf die Suche nach der Freiheit begeben und miteinander dem nachgehen, was die Seele aufatmen lässt. Eine spannende Entdeckungsreise auf den Spuren der Reformation – nicht nur für evangelische Christen!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern nicht nur für die nächsten Wochen eine erholsame Ferien- und Urlaubszeit, sondern auch, dass sie für ihr ganzes Leben die Erfahrung machen können, wie schön das ist: einfach frei sein!

Pfr. Dr. Andreas Deppermann, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen

 

Dez. 2016 - Fahrerflucht
18.12.2016

Eine unangenehme Entdeckung neulich: Eine Beule an unserem Auto – und keiner weiß, woher die kommt. Irgendjemand hat anscheinend das Fahrzeug beschädigt und sich dann aus dem Staub gemacht. Das ist leider kein Einzelfall. Fahrerflucht ist in Deutschland offenbar zu einem Massenphänomen geworden, nach Hochrechnungen bei mehr als jedem fünften polizeilich erfassten Unfall (das wären über 50.000 Fälle!), die Dunkelziffer wird noch um ein zehnfaches höher geschätzt.

Wieso handeln immer mehr Menschen in unserem Land so unverantwortlich, laufen vor ihrer Schuld davon und lassen andere auf ihrem Schaden sitzen? Über die Ursachen kann man spekulieren: zunehmender Egoismus und Ellenbogenmentalität? Verlust von Werten wie Redlichkeit, Anstand, Ehrlichkeit?

Vielleicht führt aber zum 4. Advent ein anderer Gedankengang weiter: Die Adventszeit ist ja in ihren kirchlichen Ursprüngen kein mit Kerzenstimmung und Glühwein vorverlagertes Weihnachten, sondern eine Fasten- und Bußzeit. Mit dem Kind in der Krippe wird auch der Richter der Welt erwartet. Seine Ankunft gibt uns Anlass, unser Leben auf den Prüfstand zu stellen. Das mag, ernsthaft durchgeführt, bei vielen auch einen Impuls zum Davonlaufen auslösen. Denn es ist schwer zu ertragen, wenn die Schattenseiten unseres Lebens ausgeleuchtet werden.

Nun ist aber dieser im Stall von Bethlehem geborene König ein gnädiger Richter. Einer, der richtet, indem er zurecht bringt. Einer, der die Schuldenlast wegträgt, die vor ihm bekannt wird, indem er sie auf sich selbst nimmt.

Menschen, die Jesus Christus so kennen lernen, machen eine befreiende Erfahrung: Ich muss nicht mein Leben lang auf der Flucht sein vor dem, was ich getan oder angerichtet habe! Leben aus der Vergebung – das ist der Schlüssel zu einem aufrichtigen und angstfreien Umgang auch mit eigenen Fehlern und Vergehen, egal, ob es um kleine Bagatellschäden des Lebens geht oder um einen richtig großen Crash. Ich bin überzeugt davon: Wenn mehr Menschen eine solche adventliche Haltung einnehmen, wird es auch weniger Fahrerflucht bei uns geben.

Pfr. Dr. Andreas Deppermann, Martin-Luther-Kirche, Holsterhausen